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9 Online-Marketing-Mythen, die es nicht ins Jahr 2023 schaffen sollten

Es gibt Gebote im Online-Marketing, die scheinbar unantastbar sind. Vermeintliche Experten propagieren sie seit Jahren und der Rest der Marketing-Welt folgt ihnen. Aber entsprechen diese Regeln tatsächlich der Wahrheit? Oder gehören sie verbannt ins Reich der Mythen? In diesem Beitrag wollen wir einige dieser Grundsätze und „Fakten“ einmal auf den Prüfstand stellen.

Auch in 2022 folgen Marketer:innen Maximen im Online-Marketing, die nie wirklich verifiziert wurden. Oder mittlerweile veraltet sind. Viele davon entspringen den Überlegungen und persönlichen Erfahrungen anderer Marketer:innen, die damit vielleicht (aber vielleicht auch nicht) Erfolg hatten und ihre Expertise jetzt im Internet teilen. Wir wollen versuchen, einige dieser Online-Marketing-Mythen aufzudecken, damit wir sie nicht ins Jahr 2023 mitnehmen müssen.

Mythos 1: Viel Traffic = Grosser Erfolg

Klicks und Traffic sind kein aussagekräftiger Indikator für Erfolg – zumindest, wenn es darum geht, mit Deinen Inhalten eine Aktion bei Deinen potenziellen Kund:innen auszulösen. Dies wird nämlich ausschliesslich mit der Conversion Rate gemessen.

Hoher Traffic spricht dafür, dass Deine Website gut in den Suchmaschinenergebnissen rankt und von Deiner Zielgruppe gefunden wird. Das ist bereits ein erster Schritt für den späteren Erfolg, auf dem Du aufbauen kannst. Wirklich guter Content sorgt aber auf lange Sicht dafür, dass Deine Seitenbesucher:innen zu zahlenden Kund:innen werden.

Mythos 2: Du benötigst sofort eine enorme Reichweite

Viele Unternehmen werfen schnell das Handtuch, wenn sie merken, dass ihre Massnahmen auf Social Media nur wenig Resonanz erzeugen. Dabei kann auch eine anfangs kleine Community mit aktiven Follower:innen viel dazu beitragen, das Unternehmen auf Social Media zu promoten.

Die Algorithmen von Meta, Google & Co. sind so ausgelegt, dass Deine Inhalte weiteren Nutzer:innen vorgeschlagen werden, die sich ähnlich wie Deine Follower:innen verhalten. So wächst Deine Reichweite langsam aber stetig mit der Zeit – selbst, wenn zu Beginn nur wenige Follower hinter Dir stehen.

Mythos 3: Du musst alle Social-Media-Kanäle für Dein Online-Marketing nutzen

Ein typischer Online-Marketing-Mythos lautet, dass Du auf allen Social-Media-Kanälen präsent sein musst. Nur so holst Du angeblich das volle Potenzial in Form von Follower:innen und Reichweite heraus. Damit verschwendest Du aber viel Zeit und Mühe auf Plattformen, auf denen sich Deine Zielgruppe überhaupt nicht aufhält. Auch im Online Marketing solltest Du ressourcenschonend und bedacht vorgehen – mehr ist nicht automatisch besser.   

Finde lieber heraus, welche Kanäle für Dein Unternehmen und Deine potenzielle Kundschaft relevant sind. Ältere Zielgruppen erreichst Du vielleicht besser auf Facebook. Zielst Du auf die jüngere Generation ab, sind Kanäle wie TikTok und Instagram die bevorzugte Wahl.

Mythos 4: Die besten Produkte brauchen kein Marketing

Es hält sich hartnäckig der Mythos, dass gute Produkte nur sehr wenig Marketing benötigen, um durch die Decke zu gehen. Hinzukommt, dass einige Unternehmen dies sogar als Strategie einsetzen, um ein Image der Exklusivität zu erzeugen – das Produkt soll als Geheimtipp gelten und sich überwiegend durch Empfehlungen und Mundpropaganda verkaufen. Häufig scheitert dieses Vorhaben.

Egal, wie qualitativ hochwertig oder exklusiv ein Produkt heutzutage ist: Der Markt ist in der Regel bereits proppenvoll mit Mitbewerbern, die effektiv Marketing betreiben und Dir dankend die potenzielle Kundschaft abnehmen. Und auch innovative Produkte, die wenig oder gar keine Konkurrenz auf dem Markt haben, gehen schnell unter, wenn die Leute nichts davon erfahren.

Das bedeutet nicht, dass Du heutzutage noch aggressives Marketing betreiben musst, um nicht im Meer der Konkurrenz zu ertrinken. Nutze gutes Content Marketing mit Inhalten, die Deiner Zielgruppe einen Mehrwert bieten – so zeigst Du ihr den Weg, auf dem sie „von allein“ zu Dir finden.

Mythos 5: Organischer Traffic ist kostenlos

Organischer Traffic ist definitiv wirkungsvoller als bezahlte Werbeanzeigen auf Suchmaschinen oder Social Media und erreicht insgesamt mehr für Dein Online Marketing. Trotzdem ist er nicht kostenlos, wie so oft behauptet wird.

Möchtest Du bei Google auf Platz 1 der organischen Suchergebnisse ranken, muss Deine Website die nötigen SEO-Kriterien erfüllen. Das erfordert Zeit, Arbeit und die nötige Fachkompetenz. Auch die Umsetzung ist zeit- und kostenintensiv. Ein erfolgreicher Corporate Blog, der viel Traffic erzeugt und durch wertvolle Inhalte Kund:innen für Dich generiert, lässt sich nicht an einem Wochenende aufziehen. Die Blog-Posts sollten qualitativ hochwertig und fundiert recherchiert sein. Die sprachliche Umsetzung muss sitzen, weshalb oftmals auch externe Texter:innen ins Boot geholt werden müssen. All das kostet Zeit, Geld und Arbeit – auch, wenn es sich für Dich lohnt.  

Mythos 6: E-Mail-Marketing ist tot

Wie jedes Jahr wird E-Mail-Marketing auch in 2023 wieder für tot erklärt. Das garantieren wir. Schliesslich liest niemand mehr werbliche E-Mails, oder? Falsch! E-Mail-Marketing lebt und kann grossartige Erfolge erzielen.

Für viele Unternehmen ist das E-Mail-Marketing immer noch das Marketinginstrument mit dem höchsten Return on Investment (ROI). Der Grund: Personen, die dem Unternehmen im Vorfeld ihre E-Mail-Adresse hinterlassen, sind am Angebot interessiert und somit potenzielle Kund:innen. Ein Newsletter mit interessanten und für die Zielgruppe relevanten Inhalten trägt ausserdem zur Etablierung eines Expertenstatus und zur Kund:innenbindung bei. Das wird sich auch in 2023 nicht ändern.  

Mythos 7: Facebook ist tot

Ähnlich wie dem E-Mail-Marketing wird auch Facebook jedes Jahr erneut der Todesschein ausgestellt. Doch diese Diagnose ist schlichtweg falsch und darf als Mythos abgestempelt werden.

Auch in diesem Jahr ist die Zahl der aktiven Nutzer:innen auf Facebook weiter angestiegen. Als „aktiv“ gelten für Facebook übrigens nur die Nutzer:innen, die innerhalb der letzten 28 Tage mindesten einen Post gelikt oder kommentiert haben oder einer Gruppe beigetreten sind.

Korrekt ist die Aussage, dass Facebook schon länger einem demografischen Wandel unterliegt. Das durchschnittliche Alter der Nutzer:innen ist angestiegen, während die Zahl der jungen aktiven Nutzer:innen sinkt. Diese Entwicklung kann aber besonders für Unternehmen interessant sein, da sich somit die Zielgruppe mit der stärksten Kaufkraft auf Facebook bewegt.

Mythos 8: Unternehmen brauchen keine Website mehr, wenn sie auf Social Media sind

In vielen Unternehmen (und auch verstärkt in der Gastro-Branche) zeigt sich die Tendenz, auf eine Website zu verzichten und stattdessen komplett auf den Social-Media-Auftritt zu setzen. Dabei recherchieren die meisten Kund:innen immer noch über Suchmaschinen. Wird das Unternehmen also nicht in den Suchergebnissen bei Google gelistet, entsteht hier ein klarer Nachteil.

Natürlich ist dieses Argument auch zielgruppenabhängig. Ist die potenzielle Kundschaft sowieso nur über Social Media zu erreichen, sehen hier viele Unternehmen keinen Bedarf mehr für eine Website. Dabei sollte aber auch bedacht werden, dass schnell eine Abhängigkeit von Social-Media-Unternehmen entsteht. Ändern diese plötzlich ihrer Nutzungsbedingungen oder verschiedene Einstellungen, muss man sich dem bedingungslos fügen. Eine unternehmenseigene Website vermittelt zudem immer noch den Eindruck von Professionalität und Seriosität.

Mythos 9: Viele Zielgruppen sind auf Social Media nicht vertreten

Eine klare Fehleinschätzung, die viel Potenzial für das Marketing verspielen kann. Besonders bei älteren Zielgruppen ist vielleicht nur ein gewisser Teil auf Social Media vertreten – aber auch hier lohnt es sich.

Das Problem liegt oft darin, dass traditionell aufgestellte Unternehmen nicht wissen, auf welchen Plattformen sie Social-Media-Marketing betreiben sollten. Sie denken dabei an TikTok und Snapchat, und dass ihre Zielgruppe von so etwas keine Ahnung habe. Jedoch sieht es bei Facebook vermutlich schon wieder ganz anders aus. Oder mit Business-Plattformen wie XING und LinkedIn.

Eine weitere Alternative sind Messenger-Dienste wie WhatsApp. Die App wird von sehr vielen Menschen genutzt und kann ebenfalls von Unternehmen herangezogen werden, um Kund:innen Newsletter oder Benachrichtigungen zukommen zulassen, sofern diese vorher zugestimmt haben.

Weniger Digital-Marketing-Mythen für das Jahr 2023

Viele dieser Online-Marketing-Mythen halten sich bereits seit Jahren, obwohl sie schon häufig widerlegt wurden. Auch weil sich Paradigmen im Online-Marketing sehr schnell ändern können, lohnt es sich, regelmässig vermeintliche Grundsätze infrage zu stellen. Mit dieser Einstellung gehen wir zuversichtlich ins neue Jahr und lassen die hier vorgestellten Mythen gerne in 2022 zurück.

Robin Knappmann
Robin Knappmann
Robin hat vor kurzem sein WiWi-Studium abgeschlossen und schreibt seit 2018 Beiträge rund um das Thema Marketing. Seine Begeisterung fürs Schreiben führte ihn bereits zu einer journalistischen Tätigkeit bei einer deutschen Tageszeitung und durch ein erstes, textintensives Studium der Germanistik und Philosophie. Wenn er nicht gerade vor einem neuen Beitrag sitzt, spielt er vermutlich Gitarre oder monologisiert über seine Lieblingsmusik.

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