StartE-Mail MarketingWieso Du keine E-Mail-Adressen kaufen solltest
Bildquelle: www.shutterstock.com

Wieso Du keine E-Mail-Adressen kaufen solltest

Ein voller E-Mail-Verteiler für den Newsletter ist eine zeitaufwendige Aufgabe – besonders für junge Unternehmen und Selbstständige, die gerade erst durchstarten. Da erscheint das Angebot, E-Mail-Adressen schnell per Mausklick zu kaufen, weitaus bequemer. Warum sich diese Methode aber nicht lohnt und Unternehmen sogar erhebliche Schäden zufügen kann, erklären wir Dir hier.   

Eine Liste mit tausenden von verifizierten E-Mail-Adressen zum günstigen Preis. Das klingt wie ein vielversprechendes Angebot, von dem das eigene Marketing stark profitieren könnte. Schliesslich nützt der beste Newsletter nur wenig, wenn es keine Empfänger:innen gibt, die ihn lesen. Trotzdem raten erfahrene Marketer:innen eindringlich von dieser Praxis ab – doch wo liegt eigentlich das Problem bei gekauften E-Mail-Adressen?

Worum geht es beim Kauf von E-Mail-Adressen?

Stehst Du gerade erst am Anfang mit Deinem E-Mail-Marketing, geht es vor allem um die Frage, wie Du Deine Empfänger:innenliste schnell ausbauen kannst. Recherchierst Du dazu im Netz, wirst Du auf Anbieter stossen, die mit dem Kauf von E-Mail-Listen werben – die scheinbar einfachste und schnellste Methode, auf einen Schlag sehr viele Kontaktdaten von Privatpersonen und/oder Unternehmen für Deinen Newsletter zu gewinnen.

Diese Anbieter verschweigen jedoch bewusst, dass der Kauf von E-Mail-Adressen in der Regel nicht bloss mit einer geringen Erfolgsquote für Dein E-Mail-Marketing einhergehen, sondern vermutlich sogar geschäftsschädigend für Dich ausgehen wird. Das hängt zum einen mit der minderen Qualität der E-Mail-Adressen zusammen, aber auch mit dem Umstand, dass Du Personen kontaktierst, die dem zuvor nicht zugestimmt haben.

Ist der Kauf von E-Mail-Adressen illegal?

Nein, der Kauf von E-Mail-Adressen ist in der Schweiz nicht illegal. Das gilt auch für Länder wie Deutschland, in denen das Datenschutzgesetz DSGVO herrscht, welches die Regeln für das E-Mail-Marketing seit 2018 stark verschärft hat. Hier ist aber das Versenden von Mails an die „gekauften“ Kontakte verboten, wenn zuvor kein Double-Opt-In, also die ausdrückliche Zustimmung des/der Empfänger:in eingeholt wurde. Dabei meldet sich die Person im ersten Schritt für den Newsletter an. Im zweiten Schritt muss sie in der Regel auf einen personalisierten Link klicken, den sie über eine separate E-Mail erhalten hat. Erst dann ist der Newsletter erfolgreich abonniert.

In der Schweiz gilt die Double-Opt-In-Regel bisher noch nicht – auch, wenn im Streitfall nachgewiesen werden muss, dass die Genehmigung des/der Empfänger:in zuvor eingeholt wurde. Viele Expert:innen gehen jedoch davon aus, dass in den nächsten Jahren ein Double-Opt-In gesetzlich festgelegt wird, da sich die Datenschutzgesetze der Schweiz immer mehr der DSGVO annähern. Ganz sicher weiss man es aber natürlich nicht. Nichtsdestotrotz ist auch jetzt eine Double-Opt-In-Anmeldung für Newsletter in der Schweiz sinnvoll. Der Grund: Du kannst davon ausgehen, dass Deine Kontakte auch wirklich auf Deiner Empfänger:innenliste stehen wollen.

Schlechte Performance Deiner Newsletter

Je grösser der E-Mail-Verteiler, desto mehr Erfolg? Leider nein. Auch beim Newsletter steht Qualität über Quantität. Hier zeigt die gekaufte E-Mail-Liste aber bereits das erste Defizit. Viele der enthaltenen E-Mail-Adressen sind häufig veraltet, fehlerhaft oder schlichtweg nicht geeignet für Deine Marketing-Ziele. Du weisst eigentlich nichts über die Personen, die auf dieser Liste stehen und meldest Dich bei Fremden, die nichts mit Deinem Angebot anfangen können oder wollen. Die Streuverluste sind also immens, was sich in einer schlechten Performance Deiner Newsletter widerspiegelt.

Hast Du Dich einmal mit den Kriterien für erfolgreiches E-Mail-Marketing beschäftigt, weisst Du, dass es dabei vor allem auf kundenorientierte Inhalte und generell auf eine Personalisierung Deiner E-Mails ankommt. Was ist interessant für den/die Empfänger:in an Deinem Angebot? Wie kannst Du einen Mehrwert stiften?

Newsletter dienen sowohl der Neukundengewinnung als auch der Kundenbindung – eines der Ziele ist es also, eine langfristige, fast schon persönliche und vertraute Beziehung aufzubauen. Da Du aber nichts über Deine Empfänger:innen weisst, weil Du zuvor nie mit Ihnen in Kontakt getreten bist, liegt hier eine Diskrepanz vor. Wer sich hingegen aus freien Stücken für Deinen Newsletter entscheidet, ist bei der Anmeldung in der Regel bereit, einige relevante Informationen über sich preiszugeben. Erst auf dieser Grundlage gelingt Dir eine Personalisierung Deines Newsletters.

Gekaufte E-Mail-Adressen verringern die Zustellbarkeit

Versetze Dich einmal selbst in die Lage: Wie reagierst Du, wenn Du unfreiwillig einen Newsletter erhältst, dessen Inhalt Dich nicht interessiert und für den Du Dich nie angemeldet hast? Du wirst ihn entweder direkt löschen oder als Spam markieren. Genau diese Reaktion bei gekauften E-Mail-Listen führt zu einer drastischen Verschlechterung Deiner Reputation bei den entsprechenden E-Mail-Providern, wenn Du selbst ungefragt E-Mails verschickst. Diese registrieren nämlich, wenn Deine Mails von den Nutzer:innen mehrfach als Spam eingestuft werden. Als Resultat sinkt Deine Zustellrate, da Deine Mails entweder durchgehend als Spam bewertet oder sogar geblockt werden.

Viele E-Mail-Provider nutzen zudem inaktive E-Mail-Adressen als Fallen für Unternehmen und Personen, die auf gekaufte E-Mail-Listen zurückgreifen. Befinden sich in Deinem Verteiler solche inaktiven E-Mail-Adressen, an die Du trotzdem immer weiter Mails verschickst, stuft der Provider bald alle Deine Mails präventiv als Spam ein. Auch eine zu hohe, inflationäre Zustellung Deiner Mails an zigfache Nutzer:innen kann dazu führen, dass Dich Mail-Clients auf eine Sperrliste setzen. Am Ende steht Dein E-Mail-Marketing somit vor dem Aus.

Schaden am Image und der Reputation Deines Unternehmens

Der Imageschaden an Deiner Person oder Deinem Unternehmen stellt ebenfalls ein grosses Risiko beim Kauf von E-Mail-Adressen dar. Erhalten Empfänger:innen unerwünschte Werbemails, verbinden sie das entsprechende Unternehmen und die Marke mit Spam und unseriösen Geschäftspraktiken – was in diesem Fall ja sogar zutreffend ist. In Zukunft wird es sehr schwierig sein, den einmal ruinierten Ruf wieder herzustellen.

Die meisten Betroffenen werden kein Vertrauen mehr zu Dir oder Deinem Unternehmen aufbauen können, geschweige denn bei Dir kaufen wollen. Zudem leidet Dein Ruf: Schon bald werden nicht mehr nur die Kontakte auf Deiner gekauften E-Mail-Liste an Deiner Seriosität zweifeln, sondern auch die Menschen, die über Plattformen und Foren im Internet oder über Mundpropaganda davon erfahren.

Du verlierst den Überblick

Eine weitere Gefahr beim Kauf von E-Mail-Adressen: Du verlierst den Überblick im CRM-System und kannst Deine Kontakte nicht mehr angemessen verwalten. Du siehst tausende von E-Mail-Adressen, weisst aber selbst nicht, welche davon relevant für Dein E-Mail-Marketing sind. Die vielen „Blindgänger“ verstopfen im Laufe der Zeit das System. Der Aufbau und vor allem die langfristige Pflege Deiner Kundenbeziehungen geraten damit zum Problem.

Negative Reaktion von Empfänger:innen

Gekaufte E-Mail-Listen sind ausserdem ziemliche Stimmungskiller – sowohl für die Empfänger:innen als auch für Dich selbst. Weil die Kontakte zum Grossteil schlichtweg nicht zu Deiner Zielgruppe gehören und keine Mails von Dir wollen, erhältst Du genervte und teils bösartige Antworten zurück. Die Empfänger:innen werden verärgert sein und wissen wollen, woher Du ihre E-Mail-Adresse hast. Einige werden Dir mit rechtlichen Konsequenzen drohen.

Gekaufte E-Mail-Adressen schaden Dir und Deinem Unternehmen

Greifst Du auf gekaufte Mail-Adressen zurück, wird Dein E-Mail-Marketing kaum davon profitieren. Darüber hinaus könnten für Dich und Dein Unternehmen Nachteile oder sogar irreversible Schäden entstehen, was noch schlimmer ist.

Auch, wenn die Idee gerade zu Beginn Deiner Marketing-Aktivitäten attraktiv klingt, weil sie wie eine Abkürzung zum Ziel erscheint: Der Kauf von E-Mail-Adressen lohnt sich nicht. Mit den entsprechenden Massnahmen und etwas Ausdauer wirst Du aber auch ohne diesen Trick erfolgreiches E-Mail-Marketing betreiben können und Deinen Verteiler im Laufe der Zeit mit hochwertigen Kontakten füllen.

Robin Knappmann
Robin Knappmann
Robin hat vor kurzem sein WiWi-Studium abgeschlossen und schreibt seit 2018 Beiträge rund um das Thema Marketing. Seine Begeisterung fürs Schreiben führte ihn bereits zu einer journalistischen Tätigkeit bei einer deutschen Tageszeitung und durch ein erstes, textintensives Studium der Germanistik und Philosophie. Wenn er nicht gerade vor einem neuen Beitrag sitzt, spielt er vermutlich Gitarre oder monologisiert über seine Lieblingsmusik.

Neuste Artikel