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Martina Bernet erklärt: Warum funktioniert Remarketing nicht mehr?

Jahrelang haben deine Remarketing-Kampagnen wunderbar funktioniert, doch in letzter Zeit stellst du fest, dass diese nicht mehr performen? In diesem Beitrag gehen wir möglichen Gründen nach und suchen nach Lösungen, wie die Performance der Remarketing-Kampagnen auf Google, Facebook und Co. gesteigert werden kann.

Was ist Remarketing?

Remarketing ist eine Online-Marketingstrategie, die darauf abzielt, Personen, die zuvor eine Webseite oder eine App besucht haben, erneut anzusprechen, indem ihnen gezielte Werbung angezeigt wird, wenn sie andere Websites besuchen oder in Apps surfen.

Du schaust Dir in einem Onlineshop eine Mütze an, währenddessen wirst du abgelenkt und verlässt die Website wieder, ohne die Mütze zu kaufen. Später surfst du auf einer Newsplattform wie z.B. Blick.ch und bekommst eine Anzeige ausgeliefert, die eben diese Mütze bewirbt, die du dir im Vorfeld angesehen hast.

Dies funktioniert nicht nur für online Shops, sondern für (fast) jedes Geschäftsfeld. Denn auch wenn jemand auf der Suche nach einem Malerbetrieb ist, die Webseite des Malerbetriebs besucht hat, aber keine Anfrage platziert hat, macht es Sinn, den potenziellen Kunden nochmals an den Malerbetrieb mittels Remarketing zu erinnern.

Weshalb macht Remarketing Sinn?

In vielen Fällen entscheidet sich ein potenzieller Käufer oder Interessent nicht beim ersten Anlauf für ein Produkt oder eine Dienstleistung. Er oder sie besucht verschiedene Webseiten, vergleicht die Anbieter, die Preise und hat vielleicht am Ende der Recherche bereits wieder vergessen, welche Webseiten er oder sie besucht hat.

Du als Unternehmen hast aber noch keine Kontaktdaten des Interessenten, du weisst nur, es war jemand auf deiner Webseite, diese Person hat jedoch noch nichts gekauft bzw. keine Anfrage platziert. Da der Besucher aber grundsätzlich Interesse an deinem Produkt oder deiner Dienstleistung hat, ist es von Vorteil diesen nicht einfach ziehen zu lassen.

Die Vorteile von Remarketing

Steigerung der Anfragen/Verkäufe: Personen, die bereits Interesse gezeigt haben, sind eher bereit, eine gewünschte Aktion auszuführen, wie beispielsweise einen Kauf abzuschliessen oder sich für einen Newsletter anzumelden.

Bessere Zielgruppenausrichtung: Remarketing ermöglicht es, Anzeigen an eine spezifische Zielgruppe anzupassen, basierend auf deren vorherigem Verhalten und Interessen.

Verstärkung der Markenpräsenz: Durch wiederholtes Anzeigen von Markenbotschaften bei den Besuchern kann die Markenbekanntheit gesteigert werden.

Verbesserung der ROI (Return on Investment): Da Remarketing-Anzeigen gezielter sind, können die Marketingausgaben effizienter eingesetzt werden.

nutze remarketing kampagnen 1

Wo ist Remarketing möglich?

Es gibt zahlreiche Kanäle wo Remarketing eingesetzt werden kann. Gerne Liste ich hier einige Möglichkeiten auf:

Google Ads (früher Google AdWords): Google Ads bietet eine breite Palette von Remarketing-Optionen, darunter das Remarketing für das Google Display-Netzwerk (Banneranzeigen auf Webseites), das Remarketing für Suchanzeigen (Anzeigen in den Google-Suchergebnissen), das Remarketing für Video (Anzeigen auf YouTube) und das Remarketing für Shopping (Anzeigen für Produkte auf E-Commerce-Webseites). Im letzten Fall werden die Anzeigen dynamisch erstellt, so dass der potenzielle Käufer/in genau das Produkt sieht, welches auch schon im Shop sein/ihr Interesse geweckt hat.

Facebook / Instagram: Facebook bietet Remarketing-Möglichkeiten für Facebook-Anzeigen und Instagram-Anzeigen. Auch bei Meta gibt es die Möglichkeit, dass diese Remarketing Kampagne dynamisch erstellt werden und in den Anzeigen genau die Produkte angezeigt werden, die sich die Interessenten angesehen haben.

Twitter: Twitter ermöglicht Remarketing-Anzeigen, um Nutzer wieder anzusprechen, die Interaktionen mit dem Twitter-Konto oder der eigenen Webseite hatten.

LinkedIn: LinkedIn bietet Remarketing für Anzeigen auf der Plattform, um professionelle Zielgruppen anzusprechen, die zuvor mit deinem Unternehmen in Kontakt waren.

Bing Ads: Ähnlich wie Google Ads bietet auch Bing Ads Remarketing-Möglichkeiten für Anzeigen in den Bing-Suchergebnissen und im Microsoft Advertising-Netzwerk.

YouTube: Remarketing-Anzeigen können auf YouTube geschaltet werden, um Nutzer anzusprechen, die zuvor Videos auf dem eigenen YouTube-Kanal oder der eigenen Webseite angesehen haben.

Pinterest: Pinterest bietet Remarketing-Möglichkeiten, um Nutzer anzusprechen, die sich zuvor mit Ihren Pins oder der eigenen Webseite beschäftigt haben.

Snapchat: Unternehmen können Remarketing-Anzeigen auf Snapchat schalten, um Nutzer erneut zu engagieren, die zuvor mit ihren Snapchat-Anzeigen oder der Webseite interagiert haben.

E-Mail-Marketing: Obwohl es keine klassische Remarketing-Plattform ist, können Unternehmen Remarketing-Strategien in ihre E-Mail-Marketing-Kampagnen integrieren, indem sie gezielte E-Mails an Kunden senden, die zuvor mit der Website interagiert haben.

Remarketing lohnt sich, einige Zahlen:

  • Fast 70% aller Nutzer/innen lassen ihren Warenkorb stehen (brechen im Verkaufsprozess ab), wenn sie online einkaufen.
  • Auf Mobilgeräten ist die Anzahl der abgebrochenen Warenkörbe am höchsten.
  • 3 von 4 Nutzer/innen nehmen Remarketing-Ads wahr und beachten sie.
  • 64% der Nutzer/innen sind in gewissem Masse bereit, Daten preiszugeben für personalisierte und relevante Dienste.
  • Die Engagement-Rate von Remarketing-Anzeigen ist 4x so hoch wie bei anderen Anzeigen.
  • Die Klickrate bei Remarketing-Anzeigen ist 10x höher als bei «normalen» Display Anzeigen.
  • Bei Nutzer/innen, die durch Remarketing-Anzeigen erneut angesprochen wurden, ist die Chance bei 70%, dass diese konvertieren.
  • Ca. 37% der Verbraucher mögen Remarketing-Ads, da sie ein echtes Interesse am Produkt oder der Dienstleistung haben.
  • Remarketing Ads werden im Bereich B2C häufig zur Kundenbindung eingesetzt. In B2B-Unternehmen werden diese oft eingesetzt mit dem Ziel mehr Markenbekanntheit zu erreichen.

Quelle Zahlen: https://www.spiralytics.com/blog/retargeting-statistics/

Das klingt nach einer tollen Sache, oder? Doch wie eingangs erwähnt funktionieren diese Remarketing-Kampagnen in letzter Zeit häufig nicht mehr. Der Ursache dafür gehen wir nun auf den Grund. Übrigens, wenn Du Unterstützung bei Aufsetzen Deiner Remarketing-Kampagnen benötigst, übernehmen wir von cloudWEB das gerne für Dich.

remarketing effekt

Sagt dir der Begriff Intelligent Tracking Prevention (ITP) oder Browser-Tracking-Protection etwas?

Browser-Tracking-Protection sind integrierte Funktionen in Webbrowsern (wie beispielsweise Edge, Firefox, Safari), die entwickelt wurden, um die Privatsphäre der Nutzer zu schützen, indem sie das Tracking ihrer Online-Aktivitäten durch Dritte einschränken oder verhindern. Diese Schutzmechanismen sind in der Regel so gestaltet, dass sie die Benutzer vor unerwünschter Erfassung ihres Verhaltens und ihrer Daten durch Werbetreibende, Analyseunternehmen und andere Dritte schützen.

Browser-Tracking-Protection hat wesentliche Auswirkungen auf das Ökosystem des digitalen Marketings, da es die Fähigkeit von Werbetreibenden einschränkt, personalisierte Anzeigen (dazu gehören auch Remarketing-Anzeigen) zu schalten und das Verhalten der Benutzer genau zu verfolgen.

Kurz gesagt, durch diese Schutzmassnahmen der verschiedenen Browser, können die Plattformen wie Google Ads, Facebook, Google Analytics nicht mehr genügend Daten sammeln bzw. erkennen diese den Nutzer schon nach kurzer Zeit nicht mehr und können ihm/oder ihr auch keine passende Remarketing Anzeige mehr ausspielen. Weil sie gar nicht wissen, dass dieser Nutzer/in die Webseite einmal besucht hat.

browser protection remarketing

Was sind Browser-Schutzmechanismen?

Drittanbieter-Cookie-Blockierung: Dieser Mechanismus blockiert Drittanbieter-Cookies, die von anderen Domänen (wie Google Ads, Google Analytics, Facebook etc.) gesetzt werden. Drittanbieter-Cookies werden häufig für das Tracking verwendet, um das Verhalten der Benutzer über verschiedene Websites hinweg zu verfolgen.

Automatisches Löschen von Cookies: Browser können so eingestellt werden, dass sie Cookies automatisch löschen, nachdem die Sitzung beendet wurde oder nach einer bestimmten Zeitspanne. Dadurch werden gesammelte Daten begrenzt und die Privatsphäre der Nutzer geschützt.

Fingerprinting-Erkennung: Einige Browser haben Funktionen zur Erkennung von Browser-Fingerprinting entwickelt, bei denen einzigartige Informationen über den Browser und das Gerät eines Nutzers gesammelt werden, um diesen zu identifizieren. Diese Funktionen versuchen, solche Techniken zu blockieren oder zu minimieren.

Anti-Tracking-Listen: Einige Browser bieten Anti-Tracking-Listen oder -Filter, die bekannte Tracker und Werbenetzwerke blockieren. Diese Listen werden regelmässig aktualisiert, um neue Tracker hinzuzufügen.

Verbesserte Cookie-Verwaltung: Browser bieten oft erweiterte Einstellungen zur Verwaltung von Cookies. Benutzer können Cookies selektiv blockieren, zulassen oder löschen.

Do Not Track (DNT): Dies ist ein Browser-Signal, das an Websites gesendet werden kann, um anzuzeigen, dass der Benutzer nicht verfolgt werden möchte. Allerdings ist die Umsetzung von DNT nicht verbindlich, und viele Websites ignorieren dieses Signal.

Privater Modus oder Inkognito-Modus: Diese Modi ermöglichen es Benutzern, den Browser im privaten Modus zu verwenden, in dem keine Browserverlaufsinformationen, Cookies oder Suchanfragen gespeichert werden. Dies hilft dabei, die Privatsphäre zu schützen, insbesondere wenn der Browser von mehreren Benutzern verwendet wird.

Besonders das automatische Löschen von Cookies stellt ein grosses Problem dar. Da zum Beispiel bei Safari die Cookies in der Regel nach 7 Tagen automatisch gelöscht werden, kann jemand, der die Webseite besucht hat und Interesse gezeigt hat, bereits kurze Zeit später nicht wieder identifiziert werden und so ist auch kein Remarketing mehr möglich. Sieben Tage ist eine sehr kurze Zeit und in vielen Fällen dauert der Entscheidungsprozess länger als sieben Tage, das heisst man möchte gerne länger im Gedächtnis dieser Person bleiben.

browser cookie remarketing

Intelligent Tracking Prevention

Einen besonders grossen Einfluss darauf hatte das Privacy Update seit Safari unter iOS 11 und MacOS 10.13.

Intelligent Tracking Prevention (ITP) ist die Datenschutzfunktion, die von Apple in seinen Webbrowsern, wie Safari, implementiert wurde. Mit Safari unter iOS 11 und MacOS 10.13 wurde ITP bei Millionen von Apple-Nutzer/innen standardmässig aktiviert. Auch das IOS14 Update war sehr einschneidend, ab da musste jedes App die Nutzer proaktiv um Erlaubnis bitten um sie auf anderen Apps und Websites zu «verfolgen». Davor war dies standardmässig der Fall.

Dies hat besonders bei Meta (Facebook und Instagram) bei ganz vielen Kampagnen dazu geführt, dass die Leistung rasant abnahm. Weil durch ITP die Daten der Nutzer/innen, die nach einer Interaktion mit einer Anzeige, die Webseite besucht haben, nicht mehr nachverfolgt werden konnten. Das heisst, selbst wenn ein Interessent danach einen Kauf getätigt hat oder eine Anfrage platziert hat, konnte Meta es keiner Kampagne mehr zuordnen. Meta ist besonders betroffen, da Facebook und Instagram sehr oft mit Mobilgeräten aufgerufen werden und in der Schweiz gibt es zudem sehr viele Apple-Nutzer. Deshalb ist ab 2024 bei Meta nur noch serverseitiges Tracking (Conversion API) möglich um die Kampagnendaten auszuwerten.

Die Schweiz und Apple-Nutzer/innen

In der Schweiz ist jede/jeder Zweite Apple Nutzer/in. Deshalb waren diese IOS Updates auch so einschneidend für die Kampagnen-Performance. Wenn du dir vorstellst, dass du von einem Tag auf den anderen nur noch von jedem zweiten Nutzer Daten erhältst und weiss was er auf deiner Webseite gemacht hat.

Wie machen das andere Browser?

Doch nicht nur Apple schützt die Privatsphäre ihrer Nutzer immer besser. Auch andere Browser tun dies. Bei Firefox heisst der Mechanismus Enhanced Tracking Protection (ETP) und beim Edge Tracking Prevention. Die genauen Regeln und Massnahmen können sich von einer Browser-Version zur nächsten ändern, da die Unternehmen kontinuierlich an der Verbesserung des Datenschutzes arbeiten. Die Webseite https://www.cookiestatus.com/ bietet eine gute Übersicht über die aktuellen Browser-Schutzmechanismen und wird regelmässig aktualisiert.

Was kann ich nun dagegen tun?

Unsere Privatsphäre wird von den Browsern immer besser geschützt, was auch sein Gutes hat. Allerdings ist dies leider auch häufig der Grund für die schlechte Performance der Remarketing Kampagnen. Es gibt eine Möglichkeit, dem entgegenzuwirken. Mit serverseitigem Tracking ist man als Werbetreibender nicht mehr so stark von Browsercookies abhängig. Dadurch können Remarketing-Kampagnen wieder an ihre alten Erfolge anknüpfen.

Bei Meta (Facebook und Instagram) ist serverseitiges Tracking bald die einzige Möglichkeit, die Kampagnen auszuwerten. Auch, wenn das bei Google Ads aktuell (noch) nicht der Fall ist, so verbessert serverseitiges Tracking die Datenqualität, mindert die Abhängigkeit von Browsercookies und erhöht zudem den Datenschutz. Remarketing-Kampagnen können auch weiterhin ein sehr effizientes Instrument im Marketing-Mix bleiben, wenn die Voraussetzungen stimmen, sprich serverseitiges Tracking verwendet wird.

Martina Bernet

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