StartSocial Media MarketingReels vs. TikTok - Wie sieht es 2022 aus?
Bildquelle: shutterstock.com

Reels vs. TikTok – Wie sieht es 2022 aus?

TikTok verfolgt ein simples Prinzip, Instagram kontert mit Reels. Eine dreiste Kopie, sagen die Einen, cleverer Schachzug, die Anderen. Für Instagram geht es dabei um Marktanteile, die TikTok für sich gewinnen konnte. Doch was kommt bei Nutzer:innen besser an und welche App hat letzten Endes die Nase vorne?

Seit dem Start von TikTok im Jahr 2016 hat sich die chinesische App immer wieder weiterentwickelt und sich Marktanteile anderer Social Networks abzweigen können. Allen voran die eigentliche Foto-App Instagram hat mit TikTok eine starke Konkurrenz bekommen. Doch seitens Instagram gab es auf die Kurzvideo-Funktion bei TikTok eine recht schnelle Reaktion: Reels. Prinzipiell sehr ähnlich wie TikTok aufgebaut, allerdings mit kleinen Unterschieden – beispielsweise in der möglichen Länge der Videos. Seitdem TikTok und Instagram Reels an den Start gingen ist einige Zeit verstrichen und im vergangenen Jahr wurde deutlich, dass TikTok in den meisten Bereichen punkten kann. Wie aber sieht es aktuell – im Jahr 2022 – aus?

Kann TikTok seinen Siegeszug fortsetzen oder gewinnt Instagram mit Reels die Nutzer:innen (wieder) zurück? Und gibt es aktuell nennenswerte Veränderungen, die bei den beiden Social Networks für Aufsehen sorgen können?

Was bieten TikTok und Instagram Reels konkret?

Bei TikTok und auch in den Reels bei Instagram findet man kurze Videos unterschiedlicher Art und mit gänzlich verschiedenen Themen sowie Inhalten. Dabei handelt es sich um lustige Clips, um Informationen sowie auch um Inhalte rund um Wissenschaft, Politik oder auch Medizin. Insofern unterscheiden sich beide Angebote nicht sonderlich, wenngleich es durchaus Unterschiede gibt. So bietet Instagram mit den Reels die Möglichkeit, dass die Kurzvideos bis zu 60 Sekunden lang sind. Demgegenüber stehen bis zu 10 Minuten Länge bei TikTok. Allerdings wird diese Zeitspanne – die zuvor bei drei Minuten lag – in aller Regel nicht ausgereizt. Durch eine recht eingeschränkte Aufmerksamkeitsdauer bei der Gen Z, die vornehmlich die Zielgruppe bei TikTok darstellt, ergibt sich, dass TikTok-Videos gemeinhin eher kurz gehalten sind und Informationen in aller Kürze präsentieren.

Darüber hinaus bietet TikTok auch Livestreams mit unterschiedlichen Funktionen wie Challenges oder Votings. Ähnliche Optionen bietet Instagram auch, allerdings vornehmlich abseits der Reels, die innerhalb der App lediglich einen eigenen Bereich darstellen.

Instagram bietet sozusagen TikTok light

Bei Instagram sind häufig ähnliche Inhalte zu finden, falls die Kurzvideos nicht gar identisch sind und von den Content Creator:innen auf beiden Plattformen geteilt werden. Instagram versucht durch die Reels, sich die Marktanteile der Anwender:innen zu sichern und will zugleich verhindern, dass die Nutzer:innen Inhalte vermehrt bei TikTok konsumieren.

Dafür sind die Reels als Bestandteil der App integriert worden, bieten dabei allerdings längst nicht so viele Funktionen und Möglichkeiten wie TikTok. Das zeigt sich alleine schon bei den zur Verfügung stehenden Filtern und Einstellungen.

TikTok und Reels: Potential fürs Marketing?

Fürs Marketing bieten TikTok und Instagram Reels gleichermassen ein grosses Potential. So tummeln sich hier die entsprechenden Zielgruppen – vornehmlich die Generationen Z und Alpha, also Menschen unter 35 Jahren. Ältere Nutzer:innen findet man vor allem bei Instagram relativ selten.

Da aber auch die Generationen Z sowie Alpha inzwischen eine wichtige Zielgruppe im Marketing sind, bietet sich vor allem TikTok für Marketing in Bezug auf jüngere Menschen durchaus an. Unternehmen haben somit bei TikTok (und auch bei Reels auf Instagram) die Chance, ihre Zielgruppen durch speziell darauf ausgerichteten Content zu erreichen und können in aller Regel effektiv und effizient werben.

Dabei kommt es in erster Linie darauf an, die Nutzer:innen direkt zu erreichen. Catchy und ansprechend muss der Content dafür sein, damit die Nutzer:innen nicht direkt weiterscrollen und somit schnell wieder beim nächsten Video angekommen sind.

Welche Marktanteile nehmen TikTok und Instagram Reels ein?

Mehr als eine Milliarde Nutzer:innen sind bei TikTok weltweit aktiv. Instagram hat noch einmal fast um die Hälfte mehr und verzeichnet relativ aktuell knappe 1,5 Milliarden Nutzer:innen aus aller Welt. Allerdings: Längst nicht alle Nutzer:innen verwenden dabei auch die Reel-Funktion.

Somit ist davon auszugehen, dass sich für reinen Video-Content TikTok besser eignen könnte, während Instagram vielfach noch als Foto-Plattform betrachtet wird. Zahlreiche Anwender:innen sträuben sich hier zudem nach wie vor, Reels zu erstellen und setzen weiterhin auf Fotos mit Textcaptions, um ihre Follower:innen zu erreichen. Dabei fällt vielen Influencer:innen und Blogger:innen auf, dass ihre Foto-Inhalte eine geringere Reichweite erreichen. Tendenziell ist also zu vermuten, dass auch Instagram langfristig auf Videocontent setzen will und für Reels und Videos die Reichweite steigern wird.

Auch dies macht relativ deutlich, dass Instagram das grosse Potential von TikTok (er)kennt und auf diesen Zug verstärkt aufspringen möchte. Kurzweilige Videos kommen dabei mitunter besser an, als Fotos mit Text und andere Inhaltsformen. Allerdings sollte man dafür auch die jeweiligen Nutzer:innengruppen in den Apps im Blick behalten. Die Nutzer:innen bei Instagram sind häufig noch älter und gehören auch zur Generation Y oder gar zu Generation X. Generationen, die bei TikTok zumeist nicht anzutreffen sind. Dabei setzen vor allem die älteren Instagram-Anwender:innen lieber noch auf Fotos anstatt auf Video-Content. Somit bleibt abzuwarten, wie sich die Nutzer:innengruppen bei Instagram verändern werden, wenn die App ebenfalls Videos in den Fokus rückt.

Nicht jede Instagram-Funktion kann am Ende überzeugen

Sicherlich, Instagram ist eine beliebte App und bietet immer wieder auch neue Funktionen. Dabei konnte Instagram bereits vor den Reels mit Stories überzeugen, ein Konzept, dass von WhatsApp übernommen wurde oder auch von Snapchat. Hier gibt es ähnliche Funktionen. Damit konnte sich Instagram letztlich auch durchsetzen und somit auch Snapchat überholen.

Dass dies mit Instagram Reels auch in Bezug auf TikTok passiert, bleibt abzuwarten, ist jedoch nicht unbedingt zu vermuten. Dafür ist TikTok bei jungen Menschen allzu beliebt und auch viele Influencer:innen sind hier besonders aktiv. Dafür spricht auch, dass es bei TikTok nicht zwingend auf die Follower:innenzahlen ankommt, da viele Views auch über die „For me“-Seite zustandekommen. Hier werden potentiell interessante Inhalte für die Nutzer:innen gesammelt.

Insgesamt erweisen sich Instagram Reels somit vor allem als sehr geordnete und gut gemachte Kopie von TikTok, was sich auch an den Inhalten zeigt. In den Reels findet man vor allem sehr tiktok-typische Videosequenzen oder auch identische Inhalte. Dies dürfte letztlich auch ein Grund dafür sein, dass der grosse Erfolg der Reels bisher und vermutlich auch in Zukunft ausbleibt. TikTok präsentierte sich hingegen von Beginn an als anders arbeitende App und konnte sich dadurch schnell etablieren. Hinzu kommt, dass bei TikTok keine Perfektion erwartet wird, was in vielen Fällen konträr zu den Erwartungen bei Instagram ist.

Vor allem dürfte es hierbei schwer werden, Nutzer:innen davon zu überzeugen, von TikTok zu Instagram Reels zu wechseln, wenn TikTok bei der Handhabung und bei den Funktionen mehr Umfang und Komfort bietet. Demgegenüber kann es sich für die Reichweite bei Instagram lohnen, sich mit Reels zu befassen und dem Kurzvideoformat eine Chance zu geben.

Hauke Eilers-Buchta
Hauke Eilers-Buchta
Ich bin Hauke. Blogger seit 2010, Texter seit 2012. Dazu Papa, Ostfriese und Digital Native.

Neuste Artikel