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Instagram Reels vs. TikTok: Diese Plattform hat die Nase vorn

TikTok existiert bereits seit 2016, hat aber gerade in den letzten zwei Jahren extrem an Popularität gewonnen. Im August letzten Jahres veröffentlichte Instagram dann seine Antwort auf das Kurzvideo-App: Mit Reels fügte Instagram ein weiteres Feature nebst den Stories und IGTV hinzu.

Jetzt wo sich die Reels etwas einrichten konnten stellt sich also die Frage – was ist besser, TikTok oder Reels? Um dem auf den Grund zu gehen, wollen wir uns die Ähnlichkeiten aber auch die Unterschiede zwischen den beiden Apps genauer ansehen.

Die Grundsätze der beiden Apps

Zuerst wollen wir uns die grundsätzlichen Regeln und Funktionen der jeweiligen App anschauen. Das beginnt schon bei der Applikation selbst. Wie bekannt ist TikTok seine eigene App, während Reels auf einer bereits etablierten App als Feature hinzugefügt wurden.

TikTok verfügt über einen Tab, wo nur die TikToks von gefolgten Accounts auftauchen, die For You Page und die Discover Page. Die Reels auf Instagram lassen sich entweder auf dem Profil des Creators finden, im Reel Tab oder auch auf der Explore Page, wenn der Creator ein öffentliches Profil hat.

Länge und Content

TikToks können bis zu einer Minute lang sein, während Reels dir 30 Sekunden zur Verfügung stellen. Auch wenn kurz und knappe Videos in der Regel gut ankommen, so sind Unternehmen wie auch private User manchmal froh, wenn sie genügend Zeit haben, um einen Sachverhalt aufzuzeigen oder eine Geschichte zu erzählen.

Der Content unterscheidet sich nicht fundamental bei den beiden Apps. Tatsächlich wurden zu Beginn sehr viele TikTok 1:1 in die Reels gepostet, da das Format dasselbe ist. Es lässt sich sagen, dass TikTok noch vielmehr mit verschiedenen Trends gefüllt ist, die User selber erfinden und replizieren. Vor allem der Content von Unternehmen scheint auf Instagram noch mehr auf deren Ästhetik und Online Auftritt ausgerichtet zu sein, während auf TikTok frei gepostet wird, was gerade angesagt ist.

Musik und Funktionen

Ein absolut zentraler Bestandteil von TikToks ist die Musik im Hintergrund der Videos. Auf TikTok können die User von einer riesigen Datenbank an Sounds die passende Musik für ihr Kurzvideo auswählen. Auch eigene Audioaufnahmen können verwendet und nach dem Upload den anderen TikTokern zur Verfügung gestellt werden. Auf Instagram sind die Musik-Optionen limitierter. Unternehmen müssen sogar ganz ohne die Musik der App auskommen aufgrund von Copyright Problemen.

Auch beliebt auf TikTok sind verschiedene Effekte und Filter, die über das Video gelegt werden. Auch hier ist die Auswahl riesig und User können sich kreativ ausleben. Bei den Reels ist man hier begrenzt auf die Effekte, die Instagram beispielsweise auch in den Stories zu bieten hat.

TikTok verfügt zudem über die Duet und Stitch Funktion. Diese lässt User ganz einfach mit anderen TikToks interagieren, indem sie ihre eigenen Inhalte zu einem bestehenden TikTok hinzufügen können (parallel oder im Anschluss zum original Video). Auf Instagram ist nichts dergleichen möglich.

Branded Content und Werbung

Instagram ist die Plattform für Influencer schlechthin. Daher macht es nur Sinn, wenn auch diese Influencer die Reels nutzen und Produkte aufzeigen. Branded Content ist auf TikTok wie auch in den Reels möglich.

Werbemöglichkeiten gibt es auf TikTok diverse, auch wenn diese vielleicht noch nicht so rege genutzt werden, wie die von anderen Social Media Kanälen. Eine Übersicht zu den Werbeformaten findest du in unserem Artikel über Werbung auf TikTok. Instagram hat bisher keine Werbemöglichkeiten in den Reels implementiert.

Algorithmus und Engagement

Die crème de la crème auf TikTok ist ganz klar der Algorithmus auf der For You Page (FYP). User loben TikTok regelmässig dafür, wie zutreffend die TikToks auf der FYP auf ihre Interessen oder ihren Humor sind. TikTok hat einen Einblick in das Funktionieren des Algorithmus gewährt und spricht von einem «recommendation system» das unter anderem auf den «user interactions», der «video information» und den «device and account settings» basiert. Instagram ist es anscheinen bisher nicht geglückt, die Genauigkeit des TikTok-Algorithmus zu replizieren.

Wohl teils auch dank des Algorithmus ist das Engagement bei TikToks um ein Vielfaches höher als bei den Reels. Gemäss Upfluence haben Mikro-Influencer auf TikTok eine Engagement Rate (ER) von 17.96 Prozent auf TikTok und im Vergleich dazu nur 3.86 Prozent auf Instagram. Bei den Mega-Influencern lag die ER auf TikTok bei 4.96 Prozent auf Instagram hingegen bei 1.12 Prozent.

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Reichweite und Follower

Was mittels beider Plattformen funktioniert, ist das Viral-Gehen dank einem TikTok bzw. einem Reel. Die Reichweite ist auf beiden Apps super, wie auch eine Untersuchung von socialmediatoday zeigt, in der sie die Videos von 60 verschiedenen Profilen auf Instagram Reels und TikTok verglichen haben. So ergab sich auf Instagram eine View-Rate von über 144 Prozent im Verhältnis zu den Followern. Das Video hat also viel mehr Leute erreicht, als der Account Follower hat.

Viele Brands und Unternehmen setzen bereits auf Instagram als wichtigen Kanal für Community Building und natürlich auch Werbung. Wer also mit einem viralen Reel neue User erreicht, kann direkt auf derselben Plattform von diversen neuen Followern und hoffentlich auch Kunden profitieren. Geht ein TikTok viral, so braucht es meist eine Verlinkung zu den anderen Social Media Kanälen, damit sich der User mit dem Unternehmen vernetzt.

Sinn und Zweck der Kurzvideos

Willst du dich für dein Unternehmen entscheiden, ob ihr lieber auf TikTok oder auf Instagram Reels postet, so müssen mehrere Faktoren berücksichtigt werden. Zum einen besteht die Frage, welche Art von Content ihr produzieren wollt. Ein TikTok Account macht dann Sinn, wenn das Unternehmen willig ist, bei Trends mitzumachen, viel Humor zu zeigen und viel mit der Community zu interagieren.

Seid ihr auf Instagram bereits sehr aktiv und möchtet euren Online Auftritt erweitern mit kurzen, unterhaltsamen Videos, die euch auf der Plattform Aufmerksamkeit einbringen können, so sind Reels eine attraktive Option. Auch bei den Reels gibt es virale Trends, die mitgemacht werden können. Auf Instagram macht es zudem aber Sinn, die Videos auf deinen Account abzustimmen, damit dein gesamter Kanal stimmig wirkt.

Die Sache mit der Usability

TikTok und Reels wurden nun schon von diversen Personen und Unternehmen genutzt – es lassen sich auch unzählige Erfahrungsberichte dazu online finden. Einer davon hat mein Interesse aber besonders stark geweckt. Die New York Times publizierte letztes Jahr einen Artikel, in dem eine TikTok-Nutzerin und ein TikTok-Neuling die beiden Video-Apps verwendet und reviewt haben. Ihr Fazit zu den Reels ist niederschmetternd, vor allem, wenn es um das Thema Nutzerfreundlichkeit geht.

So wird der Satz «I can definitively say Reels is the worst feature I’ve ever used» genutzt, was wohl schon ziemlich aussagekräftig ist. Das Verwenden der Reels-Funktion sei verwirrend, das Editieren der Videos sei mühsam bis unmöglich – und das alles, während es TikTok den Usern so einfach wie möglich macht, in kurzer Zeit ein cooles Video auf die Beine zu stellen.

In den Augen einer Userin

Persönlich bin ich, liebe Leser und Leserinnen, eine eifrige TikTok-Nutzerin und liebe die App. Mir werden Inhalte gezeigt, die mir gefallen, mich unterhalten oder meinen Interessen entsprechen. Jedes Mal, wenn ich die App öffne, liefert mir die FYP hunderte von neuen Videos. Gefällt mir ein Sound besonders gut, kann ich darauf klicken und es werden mir alle Videos angezeigt, die diese Musik verwenden.

Auch die Reels auf Instagram schaue ich hin und wieder an, bin aber nicht wirklich davon überzeugt. Die Inhalte im Explore-Feed wiederholen sich und der Content an sich sagt mir meist weniger zu, als der auf TikTok. Vielleicht braucht Instagram aber auch einfach noch mehr Zeit, um alle Feinheiten auszuarbeiten und den Usern genau das zu liefern, was sie wollen.

Ein klarer Gewinner

Bei fast allen Punkten wird klar: TikTok liegt derzeit klar in Führung. Die App beweist sich durch seine Popularität – nicht mehr nur bei der Gen Z – und brilliert mit seinem Algorithmus. Instagram hat natürlich immer noch den Vorteil, dass die Plattform an sich bei Unternehmen und Privatpersonen sehr beliebt ist und einer der grössten Social Media Kanäle ist.

Die Reels Funktion auf Instagram lässt aber noch einige Wünsche offen. So werden TikToker kaum in Massen zu den Reels migrieren, solange die Anzahl an Sounds, Effekten und sonstigen Funktionen so limitiert ist im Gegensatz zu TikTok. Für Unternehmen können aber durchaus beide Apps interessant sein, auch da sie auf Instagram meist schon eine Follower-Base haben. Somit musst du dich für dein Unternehmen individuell entscheiden, welche Plattform dir einen grösseren Nutzen bringt.

Nicole Langhart
Nicole hat dank ihrem laufenden Studium in Kommunikation einen Einblick ins Marketing und in den Journalismus werfen können. Nachdem sie nun hands-on Marketing Erfahrung in einem Start-Up gesammelt hat, zieht es sie zu marketing.ch, um die Leserinnen und Leser mit den neusten Trends und hilfreichsten Ratgebern auf dem Laufenden zu halten.