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Mobile First – Was macht den Trend so bedeutend?

Beim Stichwort Mobile Internet dachte man bisher als erstes an Responsive Design. Aufgrund der Entwicklung der Webnutzung hat sich der Trend aber mittlerweile in Richtung Mobile First verschoben. Denn schon im Jahr 2015 verzeichnete Google zum ersten Mal mehr Suchanfragen über mobile Geräte als über Desktops. Darauf reagierte die wichtigste Suchmaschine 2016 mit einer Anpassung ihrer Rankingkriterien. Zunächst wurde Mobile Friendliness zum Rankingfaktor, schliesslich bewertete Google den mobilen Index primär und crawlt seitdem die mobilen Versionen der Webseiten. Durch diese Reaktion hat sich der Trend noch erheblich verstärkt.

Die Entwicklung folgt einem veränderten Userverhalten. Weltweit kamen im Jahr 2021 bereits rund 58 Prozent der Seitenaufrufe von mobilen Endgeräten. In Asien waren es sogar 70 Prozent. In Europa liegt der Vergleichswert zwar bei nur 54 Prozent, doch die Tendenz ist auch hier steigend.

Was versteht man unter Mobile First?

Als sich ein klarer Trend hin zur mobilen Internetnutzung abzuzeichnen begann, veränderten sich allmählich auch die Prioritäten der Webdesigner*innen. Zunächst boten sie den mobilen User*innen spezielle Unterseiten an, die mit einem ‚m‘ vor dem Domainnamen gekennzeichnet waren. Wer mit dem Smartphone online gehen wollte, konnte diese mobilen Seiten nutzen. Die Vorgehensweise erwies sich nicht als optimale Lösung, deshalb ging man zum Responsive Design über, Webseiten wurden von nun an dynamisch gestaltet. Das Ziel war, alle Inhalte so zu designen, dass sie sowohl auf dem Desktop als auch auf dem Smartphone optimal zu nutzen sind. Aber auch diese Lösung brachte keine perfekte Usability hervor.

Daraufhin kehrten die Webdesigner*innen ihre Prioritäten einfach um und setzten die mobile Bedienbarkeit an die Spitze der Aufgabenstellung. Mobile First war geboren. Das Prinzip dahinter steht unter dem Motto ‚so viel wie nötig, so wenig wie möglich‘. Man beschränkt sich bei der Programmierung auf das Wesentliche und entwirft zuerst am Smartphone-Bildschirm. Für den Desktop wird dann alles etwas flächiger gestaltet.

Webseiten werden also im Zusammenhang mit Mobile First einfacher strukturiert und gestalten sich dadurch ganz automatisch userfreundlicher. Davon profitieren auch die Nutzer*innen am Desktop. Funktionen wie beispielsweise JavaScript oder Flash-Anwendungen verlieren stark an Beliebtheit. Denn die modernen User*innen sind ungeduldig. Nach zwei bis drei Sekunden Ladezeit ist Schluss mit lustig und der Besucher bzw. die Besucherin klickt weiter. Und rund 80 Prozent der Online-Kund*innen kehren nach einer negativen Erfahrung nie wieder auf die Seite zurück. Die Conversion-Rate einer Website hängt also massgeblich von den Ladezeiten ab. So kann dir Mobile First auch zu mehr Traffic verhelfen, unabhängig davon, wie sich deine Interessenten einwählen.

Die Vorteile von Mobile First

Mobile First ist eine Strategie, die beim Content ansetzt. Das bedeutet: Nur wirklich wichtige Inhalte kommen auf die Website. Anpassungen können später jederzeit noch vorgenommen werden. Und dank der schlanken Struktur kannst du deine Seite auch viel leichter an neue Entwicklungen adaptieren.

Die Vorteile auf einen Blick:

  • Es gibt keine komplizierten Inhalte, die das Laden verlangsamen.
  • Der Fokus der Betrachtenden liegt auf dem Produkt oder der Dienstleistung, die User*innen werden nicht mit anderen bunten Inhalten abgelenkt.
  • Die Texte konzentrieren sich auf das Wesentliche und werden dadurch automatisch hochwertiger.
  • Es gibt keine unnötigen Inhalte mehr, was die Seite übersichtlicher gestaltet.
  • Die Customer Journey führt direkt zum Abschluss, der/die Interessent*in wird nicht von überladenen Seiten mit allzu vielen Menüpunkten zu abweichenden Klicks animiert.
  • Die User*innen finden leichter, was sie suchen, und sparen Zeit.

Mobile First zwingt die Programmierer*innen zum Abspecken des Designs. So verbleiben nur Inhalte auf der Website, die wirklich nötig und für die Besucher*innen nützlich sind.

Mobile First: So gehst du vor

Am besten wendet man die Mobile-First-Strategie schon beim Programmieren einer neuen Website an. Wenn das Motto ‚weniger ist mehr‘ von Beginn an gilt, dann landen erst gar keine unnützen Inhalte auf der Seite.

Achte beim Design deiner neuen Website besonders auf folgende Punkte:

  • Übersichtliche Gestaltung
  • Klare Menüführung
  • Optimale Ladezeiten
  • Nicht zu viele und nur einfache Bilder
  • Nur wirklich wichtige Inhalte

Webdesigner*innen fällt es wesentlich leichter, eine kleine mobile Website zu programmieren, die dann auf den Desktop übertragen wird, als umgekehrt. Aber natürlich kannst du auch eine bestehende Seite entsprechend optimieren. Allerdings kann eine für den Desktop programmierte Online-Präsenz nicht so einfach auf Mobilgeräte übertragen werden. Denn mobiles Surfen hat seine eigenen Gesetze. Hier zählen vor allem Usability und Geschwindigkeit.

Diese beiden Ziele erreichst du mit folgenden Features:

  • AMP (Accelerated Mobile Pages)

AMP ist eine HTML-Version, die das Laden von Webinhalten auf mobilen Endgeräten beschleunigt. Google und Twitter haben dieses Projekt im Jahr 2015 gemeinsam gestartet und als Open-Source-Software konzipiert. Damit geht der Mobile-First-Ansatz noch weiter und wird zu User*in First. Denn mit Prioritäten wie optimaler Lesbarkeit und rasanter Geschwindigkeit steht hier die User Experience im Vordergrund. Zu erkennen sind mit AMP-Technik gestaltete Seiten am Blitz-Symbol. ⚡

  • PWA (Progressive Web Apps)

Auch dieses Feature wurde von Google initiiert. Es handelt sich um eine Mischform aus Website und App. Die hybriden Internetseiten werden über einen Browser aufgerufen, weisen aber auch typische App-Eigenschaften auf. Sie können ähnlich interaktiv und intuitiv genutzt werden wie native Apps. Von Google können sie dennoch wie ganz normale Webseiten indexiert werden.

PWAs bieten mehr Funktionalitäten als AMP, sind aber genauso schnell und nutzerfreundlich. Beide Features können gut nebeneinander koexistieren. Zu empfehlen ist der Einstieg mit AMP, später können dann mit PWAs weitere Funktionen hinzugefügt werden.

Content-Optimierung mit Mobile First

Mobile First zwingt zur Konzentration auf das Wesentliche. Dieser klare Fokus wirkt sich natürlich auch auf die Texte aus. Und die Lesbarkeit der Inhalte trägt massgeblich zur optimalen User Experience bei.

Eine Mobile First Strategie verlangt:

  • Kurze, prägnante Texte, die den Inhalt auf den Punkt bringen.
  • Treffende Überschriften, die den Inhalt erkennen lassen.
  • Übersichtliche Strukturen mit schnell auffindbaren Menüpunkten.

Von allen diesen Vorgaben profitieren auch die Desktop-User*innen. Eigentlich sollten der Fokus auf das Wesentliche und das Weglassen unnötiger Features zu den selbstverständlichen Prioritäten aller Webdesigner*innen gehören. Gut für alle Internet-Nutzer*innen, dass der Mobile-First-Ansatz diesen Trend ins Rollen gebracht hat.

Dennoch sollte sich jede*r Webseitenbetreiber*in eingehend überlegen, welche Strategie seinen /ihren Bedürfnissen am besten entspricht. Denn ein kompletter Relaunch der bestehenden Online-Präsenz ist aufwendig, zeitintensiv und kostspielig, muss sich also rechnen. Eine praktikable Alternative kann beispielsweise die separate mobile Website sein. Auch die Entwicklung einer eigenen App ist eine bedenkenswerte Lösung. Nicht für jedes Unternehmen ist Mobile First das Nonplusultra.

Fazit: Die mobilen Nutzer*innen erobern das Internet

Die Generation Millennials kauft mobil. Weltweit generieren Online-Shops bereits mehr als 50 Prozent ihres Umsatzes über mobile Endgeräte. Damit ist der Desktop in diesem Ranking erstmals an die zweite Stelle gerückt. Umfragen haben gezeigt, dass die modernen User*innen ihr Smartphone heutzutage als wichtigste Ressource betrachten, wenn es um Kaufentscheidungen geht. Der Markt hängt also immer mehr an mobilen Geräten. Und die Entscheidung zum Kauf steht und fällt mit der User Experience auf dem Smartphone.

Mobile First ist also ein Trend, der sich nicht mehr aufhalten lässt und der immer mehr an Bedeutung gewinnt. Auch wenn es um das Suchmaschinen-Ranking geht, denn Google setzt voll und ganz auf die mobile Usability. Den Trend an sich kann also kein Unternehmen mehr ignorieren. Jedoch sollte jeder einen Strategieplan erstellen, bevor es wild ans mobile Optimieren geht. Bei der Programmierung einer neuen Website ist Mobile First ein alternativloses Ziel. Bei bestehenden Seiten sollte der zeitliche, technische und finanzielle Aufwand aber sehr gut gegen den tatsächlichen Nutzen abgewogen, die beste Alternative sorgfältig ausgewählt werden.

Sabine Genau
Sabine Genau
Sabine brennt für Marketingthemen. In jedem ihrer Worte ist diese Leidenschaft zu spüren. Zufrieden ist sie mit ihren Texten dann, wenn dieser passionierte Funke auf den Leser überspringt. Die Vorliebe für das geschriebene Wort lebt sie in ihren Artikeln auf marketing.ch aus. Hier erörtert sie ihre Herzblut-Themen aus dem Marketingbereich, die den Lesern genauso auf den Nägeln brennen wie der Autorin selbst. Auch in ihrem privaten Leben schreibt Sabine leidenschaftlich gerne, ihre zweite Passion gehört ihrem Hund Suri.

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