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Was du unbedingt wissen musst, bevor du deine neue Domain kaufst

Über 2.2 Millionen Mal wird die Top-Level-Domain .ch verwendet und mehr als 100 Millionen Webseiten enden auf .com. Fast jede erdenkliche Webadresse scheint bereits zu existieren. Deine Traumdomain zu sichern, ist also keine leichte Aufgabe, denn die Konkurrenz online ist gross.

Das Erstellen einer Webseite muss auf der Prioritätenliste eines jeden Unternehmens sehr hoch stehen. Doch nicht nur das Webseitenprojekt ist herausfordernd, auch das Finden und Sichern der passenden Domain kann ein Stolperstein für Unternehmer und Privatpersonen gleichermassen sein.

Es gibt nicht nur einiges zu beachten beim Domain-Kauf, wie beispielsweise die Domain-Endung, alles Rechtliche sowie die allfällige vorherige Nutzung der Domain sondern auch die Tatsache, dass Abermillionen von Domains bereits besetzt sind, fordert Kreativität und Geduld. Wie du diese potentielle Stresssituation souverän bewältigst, zeigen wir dir hier.

Eine kurze Definition

Deine Domain besteht aus der Second-Level-Domain (SLD) und Top-Level-Domain (TLD) sowie natürlich dem Computernamen davor. Der Computername bzw. Host oder Dienst ist meist das www vor dem Domainnamen. Die SLD ist bei uns beispielsweise «marketing» und als TLD haben wir .ch. Sprechen wir in diesem Artikel also von Domain oder Domainname, so meinen wir SLD und TLD zusammen, sprechen wir von Domainendungen, so geht es um die TLD.

Darum ist die Wahl der Domain wichtig

Deine (künftigen) Kund*innen wollen und sollen dich online einfach finden können. Zusätzlich ist deine Domain quasi deine Visitenkarte im Netz und sollte merkbar, einzigartig und aussagekräftig sein. Das Erfüllen aller dieser Ansprüche ist nicht immer einfach, weshalb du dir genügend Zeit nehmen solltest, um die richtige Domain für dich und dein Unternehmen zu wählen.

Naheliegend ist es natürlich, den Markennamen deines Unternehmens zu verwenden. Doch auch hier gibt es einiges zu beachten. Umlaute und Bindestriche beispielsweise erschweren das lesen und schreiben deiner Domain, was Kund*innen auf eine falsche Website leiten könnte. Heisst deine Firma also «Äxte Business», so ist aexte-business.com zwar kurz und aussagekräftig, es hapert aber in der Schreibweise. Du könntest hier auf axt-shop umsteigen – sofern du nicht planst, in Zukunft auch andere Produkte zu Verkaufen.

Ergänzungen in der Domain (zum Beispiel -shop, -online, -foryou etc.), sind eine gute Möglichkeit, den Sinn der Webseite zu bezeichnen. Du solltest es aber nicht übertreiben, denn viele Bindestriche sind schnell irritierend. Anstatt Bindestriche kannst du Wörter auch einfach aneinander schreiben. Im Englischen kennt man die Aneinanderreihung von Nomen mittels Bindestrich nicht. So hiess die Webseite von Tesla lange TeslaMotor.com, was ein passender Zusatz ist.

Fantasienamen und Abkürzungen

Deine Domain muss aber nicht aus Wörtern bestehen, die im Duden vorkommen. Viele Unternehmen und deren Webadresse bestehen aus Fantasienamen – Zalando, Amazon, Swoodoo und so weiter. Der Vorteil bei solchen Fantasienamen ist, dass die Chancen gut stehen, dass der Domainname noch frei ist. Aber auch dein Fantasiename sollte einfach zu merken und zu schreiben sein, damit User ihn auch korrekt in der Suchleiste eingeben.

Hast du einen etwas längeren Firmennamen so kannst du auch mit Abkürzungen arbeiten. Die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ist beispielsweise einfach als ZHAW bekannt – offline und online.

Keine voreiligen Käufe

Hast du dich für einen passenden Domainnamen entschieden, so willst du wohl am liebsten gleich in die Tasten hauen und dir die Domain sichern. Aber auch beim Kauf bzw. noch vor dem Kauf solltest du noch einige Recherchen anstellen.

Ist die Domain frei?

Diese Frage beantwortest du idealerweise schon laufend während der Namensfindung. Es wäre schade, wenn du nach tagelangem Brainstorming auf den perfekten Namen gestossen bist, nur um erst beim Kauf herauszufinden, dass die Domain bereits von jemandem verwendet wird. Ob eine Domain bereits genutzt wird, kannst du oberflächlich bereits mit einer einfachen Google-Suche danach herausfinden. Für tiefergehende Recherchen setzt du aber besser auch noch auf Register wie nic.ch oder denic.de. Wie du vorgehen kannst, wenn die Domain besetzt ist, besprechen wir etwas weiter unten.

Ist die Domain rechtlich unproblematisch?

Es gibt geschützte Marken und Namen, die du nicht in deiner Domain nennen darfst – auch nicht in Kombination mit weiteren Wörtern. Namen von Promis oder bekannten Filmen und Serien sind nicht zu verwenden, ebenso wie Städtenamen (in manchen Ländern).

Du solltest – in deinem Interesse und in rechtlicher Hinsicht – auf Domains verzichten, die einer anderen Webadresse sehr ähnlich sind. Dein Firmen- und Domainname sollte möglichst einzigartig sein. So stellst du auch sicher, dass User auf deiner Webseite und nicht auf der der Konkurrenz landen.

Was war vorher unter dieser Domain?

Du willst nicht Geld für eine Domain ausgeben, nur um später herauszufinden, dass diese Webadresse früher für zwielichtiges Business verwendet wurde. Die Reputation der Domain kann auch deinem Unternehmen schaden, weshalb sich eine Recherche vorab lohnt.

Mit der Wayback Machine kannst du Seiten im Internet begutachten, selbst wenn es sie mittlerweile nicht mehr gibt. Die Wayback Machine ist ein digitales Archiv und speichert Snapshots von Webseiten. Über 585 Milliarden Webseiten wurden so bereits «abgespeichert», daher stehen deine Chancen gut, auch deine Wunsch-Domain hier zu entdecken, wenn sie bereits einmal genutzt wurde.

Wo kaufst du deine Domain?

Hast du alle notwendigen Abklärungen vorgenommen, so bist du bereit für den Kauf. Es gibt diverse Anbieter online, mit verschiedenen Preisen und verschiedenen Services. Du musst also entscheiden, was du alles brauchst (Support, Hosting, E-Mail Einrichtung) und welches Preis-Leistungs-Angebot dir entspricht. Informiere dich auch immer, wo deine Daten gespeichert werden, wie lange die Laufzeit des Vertrages ist und ob dieser nach Ablauf automatisch verlängert wird. Bekannte Anbieter für den Kauf deiner Domain sind beispielsweise domain.ch bzw. hostpoint.ch oder hosttech.ch. Jedoch kommt es bei deiner Entscheidung auch immer auf deine Erwartungen und Bedürfnisse an. Vergleiche also am besten jeweils einige Anbieter, um dir das beste Angebot zu sichern.

Eine Domain kann nur ein paar Franken im Monat kosten oder aber, bei begehrten Domainnamen, auch mehrere tausend Franken beanspruchen. Zusätzlich in dein Budget einberechnen musst du den allfälligen Kauf deiner gewählten SLD mit verschiedenen TLD. Denn wenn du nur deinemarke.com kaufst, so haben andere die Möglichkeit deinemarke.de, .ch, .net und so weiter zu kaufen. Überlege dir also gut, welche Domains du besetzen willst, um dies zu verhindern.

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So gehst du bei besetzten Domains vor

Wie erwähnt kann es vorkommen, dass deine absolute Wunschadresse bereits besetzt ist. Vielleicht wird die Webadresse aktiv von jemandem genutzt oder es erscheint eine Fehlermeldung, dass die Seite nicht mehr existiert, wenn du sie aufrufst.

In beiden Fällen musst du herausfinden, wer der/die aktuelle Inhaber*in der Domain ist. Beachte: Wird die Webseite unter der Domain noch immer genutzt, so stehen deine Chancen eher schlecht, diese Domain zu akquirieren. Nachfragen kannst du immer, doch das Verhandeln und die Übergabe sind in diesem Prozess zeitaufwändig und können dein Budget sprengen.

Findest du keine Angaben auf der Webseite, wem die Domain gehört, kannst du Tools wie whois von nic.ch verwenden, um den/die Inhaber*in zu finden.

Verhandeln ist angesagt

Konntest du herausfinden, wer deine Ansprechperson ist, musst du dir ein Angebot überlegen. Wie kannst du dein Gegenüber davon überzeugen, dir die Domain zu verkaufen? Wie viel kannst/willst du dafür bezahlen? Was hast du zu bieten?

Je nach dem musst du deine Handel-Skills hervorholen, um den Deal abzuschliessen. Bist du erfolgreich, so setzt du am besten einen Vertrag mit dem/der vorherigen Inhaber*in auf, damit alles ordentlich geregelt ist. Zu guter Letzt muss die Domain zu dir transferiert werden. Dazu kann entweder ein Inhaberwechselantrag beim selben Provider gestellt werden oder es wird ein Providerwechsel vorgenommen.

Exkurs: Die Wahl der Top-Level-Domain

Bevor wir dich in die grosse weite Welt der Domains schicken, wollen wir das Thema der Domain-Endungen erneut aufgreifen. Die Top-Level-Domains sind zahlreich, es gibt ganze 280 davon. Für uns bekannte TLDs sind

  • .com
  • .ch
  • .de
  • .at
  • .org
  • .shop
  • .tv
  • .net
  • .info

Die TLDs lassen sich zudem in verschiedene Kategorien einteilen. So gibt es generische TLDs (gTLD) wie eben .com oder .org oder Country Code TLDs (ccTLD) wie .ch, .de, .at und auch .tv ist eine ccTLD und steht für Tuvalu, einen Inselstaat. Viele Webseiten, die auf .tv enden, nutzen diese TLD aber, weil sie an Television (TV) erinnert. So beispielsweise auch die Streaming-Plattform twitch.tv.

Für welche TLD entscheidest du dich?

Welche Top-Level-Domain die richtige für dich ist, kommt auf dein Unternehmen bzw. dein Angebot an. Bist du international tätig oder ein Online-Shop, der diverse Länder beliefert, so macht die TLD .com sehr viel Sinn.

Willst du Swissness kommunizieren und bist mit deinem Business vor allem in der Schweiz aktiv, so ist .ch eine gute Wahl. Dasselbe gilt für alle ccTLDs.

Mit bekannten TLDs werden dir User eher vertrauen und auf deine Webseite klicken, als wenn ihnen die Endung nichts sagt. Es irritiert also, wenn du .cz (Tschechien) nutzt für eine Schweizer Webseite und eine gTLD wie .xyz kann für Verwirrung sorgen, da sich viele User anderes gewohnt sind.

Welche TLD ist SEO-tauglich?

Stellst du dem Internet die Frage, ob deine TLD dein SEO-Ranking beeinflusst, so erhältst du gemischte Antworten – ja, nein, jein, es kommt darauf an. John Mueller, Senior Webmaster Trends Analyst bei Google, hat online wiederholt darauf aufmerksam gemacht, dass die TLD keinen Einfluss auf das Ranking hat. Jede Webseite könne sehr gut performen, egal, welche TLD verwendet wird. Auch die Aussage, dass neue TLDs von Google schlechter eingestuft werden als die Altbekannten, sei falsch.

Was jedoch als weitverbreitet faktisch gilt, ist dass ccTLD im entsprechenden Land besser ranken, da die User diese eher sehen und klicken wollen. In der Schweiz bedeutet das, dass .ch vorteilhaft sein kann, in Deutschland haben Webseiten mit einer .de Endung gute Chancen, in den Suchresultaten weiter oben angezeigt zu werden.

Zeit für eine neue Domain

Die Welt der Top-Level-Domains ist gross, die der Second-Level-Domains quasi undurchschaubar. Glücklicherweise liefert uns das Internet diverse Tools und Hilfestellungen, die es dir und deinem Unternehmen ermöglichen, eure Wunsch-Webadresse zu ergattern.

Verbringe vor einem Domain-Kauf auf jeden Fall immer genügend Zeit mit Recherche und Abklärungen, damit dich keine bösen Überraschungen erwarten und du dein Geld verschwendest. Deine Domain ist ein wichtiger Part deines Online-Auftrittes und bedarf deiner vollen Aufmerksamkeit bei der Wahl und beim Kauf. Dafür wirst du dich umso mehr freuen, wenn deine Webseite unter deiner Traum-Domain läuft und du deine Kund*innen dort begrüssen darfst.

Nicole Langhart
Nicole hat dank ihrem laufenden Studium in Kommunikation einen Einblick ins Marketing und in den Journalismus werfen können. Nachdem sie nun hands-on Marketing Erfahrung in einem Start-Up gesammelt hat, zieht es sie zu marketing.ch, um die Leserinnen und Leser mit den neusten Trends und hilfreichsten Ratgebern auf dem Laufenden zu halten.

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