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Markus Dütsch erklärt: Copywriting & SEO – Bestimmt die Wortanzahl die Chance auf Rankings?

Viele SEO-Tools zeigen Warnungen an, wenn die Textlänge auf einer Webpage unter einer bestimmten Grenze liegt. Macht das Sinn und sollte man sich immer danach richten? Ich denke nein. 

Als ich mit SEO anfing, war das Mantra “Artikel müssen mehr als 2’000 Wörter lang sein um hoch zu ranken.” Für das damalige Produkt in der spezifischen Nische hat das sogar wunderbar funktioniert. Jedoch lässt sich so eine Zahl nicht generell über alle Themen und Märkte zwingen. Dazu kommt, dass Googles John Mueller bereits vor vielen Jahren bestätigt hat, dass die Wortanzahl kein Ranking-Faktor ist. Ganz egal ist es jedoch auch nicht, wie lange ein guter Text sein sollte. 

Verschiedene Medien und Intentionen berücksichtigen

Wenn ich einen Social-Media-Post verfasse, ist dieser mit Sicherheit kürzer als ein Blog-Post über Suchmaschinenoptimierung. Möchte ich lediglich neue Öffnungszeiten eines Geschäftes mitteilen, gelingt mir das mit weniger Worten als bei einer umfassenden Information über eine neu angebotene Dienstleistung in meinem Unternehmen. Man sollte diese Faktoren immer im Blick haben:

  • für welchen Kanal / welches Medium schreibe ich
  • wer ist meine Zielgruppe
  • wie viel Erklärungsbedarf und Hintergrundinformation muss ich liefern
  • was will ich mit dem Text bewirken: Information oder Aktion
  • wie verhalten sich meine direkten Wettbewerber

Vor- und Nachteile von kurzen und langen Texten

Mit einem kurzen Text kann ich gezielt und schnell eine Information streuen und sicher gehen, dass diese auch einfach und schnell von meinem Publikum aufgenommen wird. Ich bin jedoch etwas limitiert, wie umfangreich diese Information sein kann und welche Komplexität dem Thema innewohnt. Ich benötige hier immerhin relativ wenig Zeit zur Erstellung des Contents und kann davon ausgehen, dass meine Leser ihn auch bequem auf dem Smartphone konsumieren können. 

Bei langen Texten habe ich viel mehr Freiheit, um detailliert und umfassend auf ein Thema einzugehen. Jedoch muss ich berücksichtigen, dass ich diesen Text nicht unbedingt in jedem Medium streuen kann, und dass meine Zielgruppe mehr Zeit und Aufmerksamkeit benötigt, um den Inhalt vollständig zu erfassen. Ausserdem bedeutet so ein Text auch für mich mehr Aufwand in Sachen Recherche und beim Schreiben. Hinzu kommt, dass es keinen Spass macht, sehr lange Texte auf mobilen Geräten zu lesen. 

Konkurrenz als Richtwert nutzen

Nehmen wir an, es geht um einen neuen Blogbeitrag und ich möchte wissen, wie lange der Text ungefähr sein sollte. Zunächst gilt es, die oben genannten Punkte für sich bzw. seinen Kunden abzuklären. Um ein paar handfeste und messbare Zahlen zu bekommen, bietet sich eine Wettbewerbsanalyse an. 

Hierfür google ich meine Hauptkeywords und betrachte die Top 3 rankenden Artikel für diese Suchanfragen. Entweder nutze ich SEO-Tools zur Textanalyse oder kopiere mir die Texte in Excel oder Google Sheets und lasse mir dort die Wortanzahl ausgeben. Zusätzlich zur Wortanzahl erfahre ich auch, welche Content-Arten meine Wettbewerber ausser dem Text nutzen. Gibt es Bilder, Videos, Tabellen, Aufzählungen usw.? 

Hier ein Beispiel: 

Bei der Suchanfrage “ergonomisches arbeiten” sehe ich folgenden Ergebnisse in den Top 3 in Google.ch.

  • https://www.bueromoebel-experte.de/ratgeber/ergonomie-ratgeber/ergonomie-am-arbeitsplatz/
    mit mehr als 1’500 Wörtern sowie mehreren Bildern / Infografiken, Aufzählungen, Gesundheitstipps usw. 
  • https://www.praevention-im-buero.ch/online-magazin/artikel/ergonomie-am-arbeitsplatz-darauf-sollten-sie-achten/
    mit etwas mehr als 700 Wörtern und nur einem Bild
  • https://www.dataflex-int.com/de/ergonomisches-arbeiten
    mit rund 1’200 Wörtern, Aufzählungen und einem Bild

Hier wird deutlich, dass ein Text von unter 700 Wörtern wahrscheinlich schlechte Chancen haben würde im Kampf um ein Top Ranking. Das deckt sich auch mit der Angabe aus dem SEMRUSH Content Template, wo 788 Wörter empfohlen werden. 

Screenshot aus Tool mit Keyword-Vorschlägen

Somit habe ich nun eine ungefähre Richtlinie für meinen neuen Blog-Post. Wichtig ist jedoch, den Text natürlich und angenehm lesbar zu gestalten und die Bedürfnisse der jeweiligen Zielgruppe zu beachten. Wenn alles zum Thema erörtert wurde, sollte man nicht zwanghaft weiter schreiben, um die Wortanzahl künstlich in die Höhe zu treiben mit der Hoffnung auf bessere Rankings. Es gibt zahlreiche Ranking-Faktoren in den Algorithmen der Suchmaschinen. Ob der Text tatsächlich eine gute Position erhält, hängt, unter anderem, auch von den Überschriften, dem Meta-Titel, den internen und externen Verlinkungen ab und davon, wie gut man die Frage(n) der User mit dem Text beantwortet. 

Markus Dütsch
Markus war viele Jahre im Eventmarketing tätig. Seine Vorliebe für das Digitale veranlasste ihn 2017, zur Suchmaschinenoptimierung zu wechseln. Um sein Wissen und seine Begeisterung zu teilen (was eine grosse Stärke der ganzen SEO-Community ist), hat er begonnen, über Themen und Prozesse rund um die organische Suche zu schreiben.

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