Starre Formulierungen, unnatürlich klingende Metaphern und eine Lastwagenladung voller Gedankenstriche in jedem Abschnitt: So praktisch KI-Tools wie ChatGPT, Claude und Co. auch sind, so bringen sie doch auch ihre ganz eigenen Probleme mit sich. In diesem Artikel zeige ich dir deshalb, wie du deinen KI-Text wieder etwas mehr Leben einhauchst.
Fixfertige KI-Texte können in vielen Situationen ein kleiner Segen sein. E-Mails kosten nicht mehr so viel Zeit und klingen plötzlich um Welten professioneller. Die Marketing-Präsi, die dir vor zwei Jahren noch Kopfschmerzen bereitet hätte, ist nun innert einer halben Stunde erledigt.
Bei genauerem Hinsehen stellen allerdings viele User fest, dass der KI-generierte Text auf den ersten Blick zwar völlig einwandfrei aussieht, bei genauerer Betrachtung aber an gewissen Stellen etwas… komisch wirkt. Irgendwie nicht ganz natürlich. Und warum ist da eigentlich in gefühlt jedem zweiten Satz ein Gedankenstrich?
In diesem Beitrag zeige ich dir deshalb meine Top-Tipps, wie du die häufigsten Schönheitsfehler in deinen KI-Texten findest und verbesserst. Und ich verrate dir sogar, wie du dem Text innert weniger Minuten wieder etwas Menschlichkeit zurückgibst.
| Was qualifiziert mich überhaupt, Tipps im Umgang mit KI zu geben? Als professionelle Texterin, Copywriterin und Redakteurin arbeite ich seit dem Launch von ChatGPT fast täglich eng mit KI-Tools zusammen. Dazu gehört sowohl das Erstellen von Texten mit Unterstützung von KI-Tools als auch das Optimieren von KI-generierten Texten, um sie wieder menschlicher klingen zu lassen. Da es mir aufgrund meiner Ausbildung und einem guten Dutzend Jahren an Schreiberfahrung zudem besonders leichtfällt, Sprachrhythmen zu erkennen und unschöne Passagen in Texten aufzuwerten, möchte ich die Erkenntnisse, die ich über die Jahre in der Arbeit mit KI-Tools hatte, hier gerne weitergeben. |
Warum das Editieren von KI-Texten so wichtig ist
Generierte KI-Texte sollten generell nicht als Endprodukt dienen. Der wohl wichtigste Grund dafür ist, dass die Künstliche Intelligenz Fakten oder Zahlen teilweise völlig frei erfindet, diese aber völlig plausibel klingen lassen kann. Um Fehler zu vermeiden (und sich bei der nächsten Präsi nicht zu blamieren) deshalb unbedingt einen Fact Check durchführen.
Wenn wir allerdings die stilistische Qualität eines Textes anschauen, also die Frage, ob ein Text denn auch gut klingt, dann gibt es mindestens ebenso viel Grund, einen KI-Text nicht einfach komplett fix-fertig zu übernehmen. Auch dann nicht, wenn du einen richtig guten Prompt hattest.
Die KI schreibt aus Vorlagen heraus. Das heisst, dass die KI nur das reproduziert, was sie bereits aus Beispielen kennt, und keine neuen Gedanken formulieren kann. Folglich verwenden KI-Tools oft redundante oder austauschbare Formulierungen, die gar nicht so viel aussagen, wie man auf den ersten Blick meint. Sprachlich fällt zudem das Problem an, dass ein grosser Teil der Trainingsdaten der KI auf Englisch sind. Das führt dazu, dass ein deutscher Text in manchen Paragrafen einen englischen Satzbau aufweist oder dass du gewisse Formulierungen und Redewendungen im KI-Text findest, die auf nur auf Englisch übersetzt wirklich Sinn ergeben.
Und der vielleicht wichtigste Punkt: Letztendlich bist du verantwortlich für den Text, den du bei der Arbeit, in der Schule oder für eine Publikation abgibst. Nicht die KI, sondern du. Um sicherzustellen, dass die Qualität deines Textes mit deinen Vorstellungen übereinstimmt, solltest du KI-generierte Resultate deshalb unbedingt überprüfen und unschöne oder gar problematische Passagen überarbeiten. Auf welche Punkte du dabei besonders achten musst, zeige ich dir jetzt.
1. Gedankenstriche – oder der berühmte Em Dash
Beginnen wir doch gleich mit der aktuellsten Debatte. Wenn ich einen Gedankenstrich (das deutsche Äquivalent zum englischen «em dash») im Text finde, dann verrät das doch ganz automatisch, dass ein Text KI-generiert ist. Oder?
Nun ja, nicht ganz. Tatsache ist, dass Gedankenstriche oft und gerne von Texter:innen, Autor:innen und Copywriter:innen verwendet werden. Auch wenn sich der Gedankenstrich (oder vielmehr der «em dash») in den letzten Monaten einen negativen Ruf angeeignet hat, ist ein einzelner Gedankenstrich in einem Text noch lange kein Zeichen dafür, dass ein Text von einer KI generiert wurde.
Allerdings lautet eine gängige Faustregel für Texter:innen, dass Gedankenstriche nur alle 500 Wörter einmal eingesetzt werden sollten. Zu viele Gedankenstriche stören nämlich den Lesefluss. Und genau das ist das Problem von KI-Tools wie ChatGPT oder Claude. Viele dieser KI-Tools sprenkeln ihre Texte nämlich so dicht mit Gedankenstrichen, als gäbe es keine anderen Satzzeichen.
OpenAI ist sich dieses Problems offenbar bewusst und hat deshalb vor Kurzem in einem Threads-Post angekündigt, dass man ChatGPT nun so einstellen kann, dass das Tool nicht mehr so viele Em Dashes (für uns also Gedankenstriche) verwendet. Wie gut das funktioniert, wird die Zukunft zeigen. Bis anhin müssen wir Gedankenstriche noch manuell aus unseren Texten verbannen. Das geht am besten, indem du den Gedankenstrich mit anderen Satzzeichen ersetzt.
KI-generierter Beispieltext: Viele Beiträge von marketing.ch zeigen anhand von Beispielen, wie Unternehmen ihre Marketingmassnahmen effektiver gestalten können – sei es durch kreative Kampagnenideen, datenbasierte Strategien oder den Einsatz neuer Tools.
KI-generierter Beispieltext ohne Gedankenstrich – Variante 1: Viele Beiträge von marketing.ch zeigen anhand von Beispielen, wie Unternehmen ihre Marketingmassnahmen effektiver gestalten können, sei es durch kreative Kampagnenideen, datenbasierte Strategien oder den Einsatz neuer Tools.
KI-generierter Beispieltext ohne Gedankenstrich – Variante 2: Viele Beiträge von marketing.ch zeigen anhand von Beispielen, wie Unternehmen ihre Marketingmassnahmen effektiver gestalten können. Sei es durch kreative Kampagnenideen, datenbasierte Strategien oder den Einsatz neuer Tools.
Anstelle des Gedankenstrichs einen neuen Satz zu beginnen oder ein Komma zu verwenden, sind meine beiden Go-To-Lösungen für die Tage, an denen es schnell gehen muss. Wenn du mehr Zeit zur Verfügung hast, lohnt es sich aber auch, die Sätze ein bisschen umzustellen, damit sie noch natürlicher klingen.
Wir halten fest: Für menschlich klingendere Texte solltest du Gedankenstriche (–) höchstens alle 500 Wörter einmal verwenden. Musst du Gedankenstriche aus deinen KI-generierten Texten entfernen, geht das am schnellsten, indem du sie durch andere Satzzeichen wie Kommas oder Punkte ersetzt.
2. Repetitive Satzmuster
Einige der grössten Übeltäter, die deine Texte unnatürlich klingen lassen, sind gewisse, fast schon formelartige Satzmuster, die die KI in ähnlichem Masse ausspuckt wie die Gedankenstriche. Während wir Menschen zwar auch gewissen Regeln folgen, wie ein Satz aufgebaut sein sollte, orientiert sich die KI wie bereits erwähnt viel stärker an diesen (oft englischsprachigen) Regeln und reproduziert nur das, was sie bereits aus Beispielen kennt. Das führt zu einer Tendenz, gewisse Satzmuster fast schon zwanghaft zu wiederholen.
Beim Editieren solltest du deshalb generell ein Auge auf repetitive Satzmuster haben. Allerdings gibt es einige Satzformeln, die ChatGPT, Claude und Co. besonders gerne verwenden, und die deinen Text etwas unnatürlich wirken lassen können. Hier findest du eine (nicht komplette, aber dennoch relevante) Auflistung der wichtigsten Beispiele:
2.1 Die dreiteilige Beispielsformel
Ist dir schon einmal aufgefallen, dass die KI fast jedes Mal, wenn sie in einem Fliesstext einige Beispiele aufzählt, genau drei auswählt? Schauen wir uns den Beispieltext von vorhin nochmals an:
KI-generierter Beispieltext
Viele Beiträge von marketing.ch zeigen anhand von Beispielen, wie Unternehmen ihre Marketingmassnahmen effektiver gestalten können – sei es durch kreative Kampagnenideen, datenbasierte Strategien oder den Einsatz neuer Tools.
Na, siehst du es? An sich ist daran natürlich nichts verkehrt. Schliesslich kommt diese Tendenz nicht von ungefähr. Die Regel, in einer Aufzählung drei Beispiele zu verwenden, ist unter Texter:innen und Autor:innen weit verbreitet. Aber, wie schon bei den Gedankenstrichen, macht die Menge das Gift. Neben der Tatsache, dass du definitiv überprüfen solltest, ob die drei Beispiele überhaupt relevant sind, gilt es, auch mal ein bisschen Abwechslung in den Text zu bringen. Frag dich: Wie viele Beispiele wären mir eingefallen, hätte ich den Text geschrieben?
Wir merken uns: Die KI tendiert dazu, bei Aufzählungen genau drei Beispiele zu verwenden. Wiederholt sich das zu oft, wirkt der Text starr und unnatürlich.
2.2 «In einer Welt, in der…»
Einer der absoluten Lieblingssätze von ChatGPT. «Welt» kann hierbei auch durch «Zeit» oder «Ära» ersetzt werden. So oft, wie dieser Satzanfang verwendet wird, gilt er für mich mittlerweile fast schon als sicheren Indikator, dass beim Texten eine KI verwendet wurde. Deshalb mein Tipp: Direkt rauslöschen. In den allermeisten Fällen klingt die Formulierung sowieso zu übertrieben, um wirklich in den Kontext zu passen. Falls du das nicht möchtest, achte einfach darauf, die Formulierung nur ein einziges Mal pro Text zu verwenden.
Wir merken uns: Der Satzanfang «In einer Welt / Zeit / Ära, in der…» wird von KI-Tools verhältnismässig zu häufig gebraucht und sollte höchstens einmal pro Text vorkommen.
2.3 «Es ist nicht nur X, sondern auch Y»
Vielleicht etwas schwieriger zu erkennen, als die beiden Beispiele zuvor ist dieses Satzmuster hier. Grund dafür ist, dass die Komponenten variieren. Hier deshalb ein Beispiel: «marketing.ch ist die Schweizer Plattform für alle, die Marketing nicht nur verstehen, sondern gezielt einsetzen wollen.»
Auch dieses Satzmuster wird von ChatGPT, Claude und Co. gerne und oft verwendet. Hier gilt wie immer, dass ein bis zwei solche Satzmuster pro Text völlig in Ordnung sind, bei zu häufiger Verwendung allerdings die Lesbarkeit deines Textes eingeschränkt wird und die Sprachmelodie nicht mehr natürlich klingt.
Wir merken uns: KI-Tools verwenden das Satzmuster «Es ist nicht nur X, sondern auch Y» verhältnismässig zu oft. Achte darauf, höchstens ein bis zwei dieser Formulierungen in deinem Text zu haben.
2.4 “X ist weit mehr als Y. Es ist…”
Der Zwilling des Beispiels von vorhin. Genau dasselbe Problem in anderem Gewand: «marketing.ch ist weit mehr als ein Online-Magazin. Es ist ein Treffpunkt für alle, die Marketing denken, leben und weiterentwickeln wollen.»
Wir merken uns: KI-Tools verwenden das Satzmuster «X ist weit mehr als Y. Es ist…» verhältnismässig zu oft. Achte darauf, höchstens ein bis zwei dieser Formulierungen in deinem Text zu haben.
3. «Denglische» Formulierungen & sinnfreie Metaphern
Wie bereits erwähnt, tendieren viele KI-Tools dazu, bei gewissen Formulierungen auch in deutschen Texten einen englischen Satzbau zu verwenden. Die sind zugegebenermassen nicht immer einfach zu entdecken. Vor allem dann nicht, wenn man kein Englisch spricht.
Was du allerdings tun kannst, ist, deinen KI-generierten Text mit einem kritischen Auge durchzulesen. Gibt es Passagen, die irgendwie nicht ganz richtig klingen? Redewendungen oder Metaphern, die du so noch nie gehört hast? Dann tust du gut daran, die aus deinem Text zu streichen und die entsprechende Passage in deinen eigenen Worten zu formulieren.
Um dir diese Aufgabe zu erleichtern, findest du hier eine Auflistung der häufigsten «Denglisch-Tendenzen» von ChatGPT und Co.
Worauf du beim Korrigieren besonders achten solltest
- Wörtliche Übersetzungen (bspw. «Ich bin fokussiert auf» statt «Ich konzentriere mich auf»)
- Metaphern, die im Deutschen nicht geläufig sind (bspw. «der Elefant im Raum» oder «Auf die nächste Ebene kommen»)
- Ultralange Sätze ohne Nebensätze (die englische Satzlogik ist linear, während Deutsch tendenziell viele Nebensätze einbaut)
- Ständige Wiederholung unnatürlich klingender Satzgefüge(bspw. «Das bedeutet, dass…», «Der Grund dafür ist, dass…», «Zudem ist es wichtig…»)
Wir merken uns: Viele KI-Tools tendieren dazu, englische Sprachmuster in deutschen Texten zu übernehmen. Um diese Fehler zu finden und zu beheben, frag dich: Nutzt dieser Text Formulierungen, die ich so nie sagen würde? Gibt es Sätze, die unnötig lang sind? Gibt es diese Metapher auf Deutsch? Ersetze unnatürlich klingende Formulierungen mit deinen eigenen Worten, um etwas mehr Menschlichkeit in deinen Text zurückzubringen.
4. Die Fehler fehlen
Eine der wohl wichtigsten (und am meisten unterschätzten) Komponenten, die deine KI-Texte unauthentisch wirken lässt, ist, dass sie zu «perfekt» sind. Klar, die KI-Tools verursachen ihre eigenen Fehler, wie die sich wiederholenden Satzstrukturen oder die Gedankenstriche. Aber ChatGPT, Claude und Co. lassen eben oft auch die Dinge weg, die einen Text für uns erst wirklich lebendig machen.
Wörter oder wie «eben», «überhaupt», «vielleicht», «mal», «nämlich», «halt», «wohl», «natürlich» oder «sowieso» sind da ganz vorne mit dabei. Diese Sprachmarker geben Leser:innen kaum neue Informationen über den Inhalt, und können theoretisch weggelassen werden, ohne dass sich die Aussage des Satzes gross verändert. Für ein optimiertes Sprachmodell gelten sie deshalb tendenziell eher als Ballast. Für uns Menschen hingegen vermitteln diese «Fehler» allerdings Dinge wie Tonfall, Emotion, soziale Kontexte und vieles mehr. Ohne sie fühlt sich ein Text gerne mal zu sauber, zu neutral oder gar unpersönlich an.
Ebenfalls geht die Persönlichkeit in KI-generierten Texten verloren. Das liegt nicht nur an den kaum vorhandenen Sprachmarkern von oben, sondern generell daran, dass wir Menschen trotz aller Mühe beim Schreiben kleine Fehlerchen machen oder Sätze unschön strukturieren, und die (überraschenderweise) dafür sorgen, dass unser Gehirn einen Text als interessant wahrnimmt.
Wenn du also deinem nächsten KI-Text wieder etwas Menschlichkeit zurückgeben möchtest, ist das hier meine Lieblingstaktik: Versuch, alle paar Sätze ein Füllwort wie «eben», «überhaupt» oder «sowieso» einzufügen. Ausserdem lohnt es sich insbesondere bei wichtigen Texten, die Einleitung und das Fazit wenn möglich etwas umzuschreiben und einige eigene Worte einfliessen zu lassen. Diese Abschnitte sind nicht nur die meistgelesenen, sondern auch die, bei denen ein zu effizienter, starrer Satzbau besonders negativ auffällt.
Wir merken uns: Kleine Fehlerchen oder unsaubere Formulierungen in Texten sind in geringem Masse etwas Gutes und helfen dir dabei, deinen Text lebendig und menschlich wirken zu lassen. Eine einfache Art, dem Text etwas mehr Leben einzuhauchen ist es, Füllwörter einzubauen und ganz besonders die Einleitung und das Fazit in eigenen Worten zu verfassen.
Trau dich, einen nicht perfekten Text zu erstellen
Schlussendlich liegt das Geheimnis zu einem menschlicheren KI-Text bei dir, dem Menschen. KI-Tools sind wunderbar und können den Arbeitsalltag unglaublich entlasten. Wenn es aber darum geht, mit der KI zusammenzuarbeiten, um ein bestmögliches Resultat zu erhalten, dann empfehle ich, ChatGPT und Co. lediglich unterstützend zu verwenden, anstatt den Tools die komplette Verantwortung zu übertragen. Kein Prompt, wie gut er auch sein mag, kann deine Persönlichkeit nachahmen. Und bei einem menschlich wirkenden Text geht es schlussendlich eben genau darum, dass du als Person deine Gedanken akkurat und authentisch reflektierst.
Meine Tipps sind deshalb vor allem dann einzusetzen, wenn es mal schnell gehen muss. Wenn du weisst, wo die grössten Schwachstellen der KI-Tools liegen und wie du sie im Text findest, kannst du aus einigen unnatürlich wirkenden Passagen ruckzuck einen ganz passablen Text machen. Ich hoffe deshalb, du konntest aus diesem Artikel einiges für deinen Arbeitsalltag mitnehmen und wünsche dir viel Spass beim Schreiben.