Start Guides Marco fragt nach: Wie baue ich 2021 erfolgreich eine Personal Brand auf?
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Marco fragt nach: Wie baue ich 2021 erfolgreich eine Personal Brand auf?

Gemäss Forbes ist Personal Branding wichtiger denn je. Es hilft dir, deinen Ruf aktiv zu gestalten und das Maximum aus deiner Onlinepräsenz rauszuholen. Doch wie kannst du 2021 eine erfolgreiche Personal Brand aufbauen? Um Licht ins Dunkel bringen zu können, habe ich diese Frage Schweizer Online Marketing ExpertInnen gestellt.

Your brand is what other people say about you, when you’re not in the room

Jeff Bezos, Amazon

Im Folgenden präsentiere ich die Aussagen der ExpertInnen und gebe am Schluss mein persönliches Fazit, damit du dir selbst eine Meinung machen und diese in den Kommentaren teilen kannst.

Cristina Roduner | LinkedIn und Social Media Expertin

«Grüezi Frau Roduner» schallt es mir jedes Mal entgegen, wenn ich unseren Dorfladen betrete. Hier kennt man sich. Man kommt immer wieder ins Gespräch: zwischen den Regalen, beim Brot, der Gemüseauslage und auch an der Kasse.

Man kennt mich. Weiss, dass ich «etwas mit Social Media» mache. Wir haben nicht immer dieselbe Ansicht, aber wir haben Gemeinsamkeiten. Nur schon, weil wir im selben Dorf leben. Und uns lokal einkaufen wichtig ist. Und das Interesse aneinander.

Was ich genau arbeite, ist hier für viele nicht so erfassbar. Die beruflichen Welten sind oft sehr unterschiedlich. Trotzdem werde ich immer wieder empfohlen, wenn jemand vom hiesigen Gewerbe «etwas mit Social Media» machen möchte. Weil man mich kennt und gemeinsame Berührungspunkte hat, empfiehlt man mich guten Gewissens weiter. So ist es auch in der Onlinewelt.

Grundsätzlich ist es simpel: Eine Personal Brand ist dann erfolgreich, wenn man erkannt wird.

Ob LinkedIn, Instagram oder ein anderer Social Media Kanal, es geht darum, dass man mich kennt. Dass es einfach ist, mit anderen ins Gespräch zu kommen und Berührungspunkte zu finden. Common Ground sozusagen – eine gemeinsame Basis, auf der man aufbauen kann.

Ibrahim Evsan sagte mal «Menschen folgen lieber Menschen als Marken». Einen Personal Brand, also eine Ich-Marke, aufzubauen, ist heutzutage also fast unabdingbar. Und trotzdem oft so abstrakt, dass sich viele schwer tun damit. Wir sollten uns deshalb immer wieder Gedanken über folgende Aspekte machen und wie wir sie in unterschiedlicher Form in unser tägliches Handeln und unsere Beiträge auf LinkedIn & Co. einfliessen lassen können:

  • Welche Werte sind mir wichtig und warum?
  • Wie kann ich diese Werte mit tieferer Bedeutung, mit Substanz füllen und nicht einfach nur mit Begriffen um mich werfen?
  • Wofür stehe ich NICHT? Und warum?
  • Was beschäftigt die Personen, die ich erreichen möchte? Wo finde ich Gemeinsamkeiten?
  • Kann ich immer wieder Anknüpfungspunkte schaffen, damit wir ins Gespräch kommen?
  • Wie bringe ich eine persönliche Sicht und Würze in meinen Auftritt, der Sympathie erlaubt?
  •  Wie flechte ich meine Kompetenzen und meine fachliche Expertise ein?
  • Mit wem möchte ich interagieren, auf welchen Plattformen, in welcher Tonalität und warum?
  • Spiegeln meine Social Media Kanäle mich als Menschen in authentischer Art und Weise wider?

Oft hilft auch die Reflektion der Gründe, warum ich mich das letzte Mal für eine Zusammenarbeit mit einer Person respektive den Kauf bei einer Person entschieden habe. Was hat mich überzeugt? Über welchen Kanal resp. welche Kanäle bin ich auf die Person gestossen? Wie lange hat es gedauert vom ersten Aufeinandertreffen bis zu meinem Kaufentscheid?

Eine Personal Brand sollte deinen einzigartigen Charakter widerspiegeln

Es geht darum, dass wir mit unserer Persönlichkeit in verschiedensten Facetten wahrgenommen werden. Es geht NICHT darum, zu ändern, wer wir sind, sondern darum, uns selbst zu vermarkten. Unsere Einzigartigkeit sichtbar und erlebbar zu machen. Und mit einer in sich stimmigen und über alle Plattformen einheitlichen Botschaft immer wieder Anknüpfungspunkte zu schaffen. Immer so, dass wir uns mit uns selbst wohl fühlen.

Auch da möchte ich nochmals Ibrahim Evsan zitieren, der den Kern des Ganzen treffend runterbricht auf «Ein starkes ICH in einem starken WIR».

Patrick Embacher | CEO von vigan | Personal Brand

Ich hatte das Vergnügen, Patrick zu interviewen. Im Folgenden habe ich die wichtigsten Insights zum Aufbau einer Personal Brand zusammengefasst:

Patrick, du hast selbst eine starke Personal Brand, wie bist du dazu gekommen?

Einer der Auslöser war, dass ich für einen deutschen Bodybuilder die Personal Brand aufgebaut und gesehen habe, wie das abgeht. Wenn der auf Instagram ein neues Kochbuch vorstellte, haben die Leute am nächsten Tag direkt gekauft. 

Zuerst solltest du dir klar werden, warum du überhaupt eine Personal Brand aufbauen willst. Es kann ja sein, dass du einfach bekannt sein möchrest und das ist kein Problem. Willst du aber mit deiner Personal Brand Geld verdienen, muss hintendran ein Funnel bereitstehen. Es geht also nicht darum, sich als Influencer aufzubauen, sondern mit einer Personal Brand ein Business zu pushen.

Wie baust du also eine Personal Brand auf?

Früher war das Schreiben von Fachartikeln in Zeitungen, Interviews etc. das A und O. Heute ist der grosse Vorteil, dass es keine Gatekeeper mehr gibt und du dich selbst der Medien bedienen kannst. Du musst also nicht zuerst einen Kontakt haben, bis du einen Text oder ein Video veröffentlichen kannst.

Trotzdem ist das wichtigste, dass du wirklich ein Experte bist und weisst, wofür du stehst. Es reicht also nicht aus, einfach Videos rauszuhauen. Du musst genau wissen, wovon du sprichst, wie du deine Message am wirkungsvollsten präsentierst und welcher Kanal relevant ist.

Gibt es ein Erfolgsgeheimnis?

Egal, ob ein Brand oder ein Unternehmen, die Schritte zum Aufbau einer Personal Brand sind sehr ähnlich und die «Geheimformel» ist ganz einfach: Du musst Geld einsetzen.

Du hast die Möglichkeit, Leute durch push dazu zu «zwingen», deinen Content zu schauen – daraus kannst du lernen und besser werden. So kannst du in kürzerer Zeit mehr Daten generieren und den ganzen Lernprozess komprimieren. Zuerst solltest du also einen Content Pool aufbauen und diesen dann bewerben.

Damit der Algorithmus den Content optimal ausspielen kann, musst du den Content mit einem hohen Budget sicher zwei Wochen einfach mal laufen lassen. Aus den generierten Daten können wichtige Informationen gewonnen werden; Wer interagiert, was kommt an, welche Annahmen waren richtig oder falsch etc.

Es geht also darum, sich ständig zu verbessern und zu testen. Beispielsweise wird die Frequenz durch die Hörerschaft bestimmt. Wollen sie mehr hören, gibst du auch mehr. Verschlechtert sich das Feedback, bringst du weniger Content.

Das A und O ist Konsistenz. Ich habe in den letzten Jahren einige Personen bei der Erstellung einer Personal Brand begleitet, welche daran gescheitert sind, da sie nicht ausreichendes Durchhaltevermögen hatten. Klar hilft es, wenn man ein Team hat, aber auch alleine ist es nicht unmöglich.

Zuletzt muss auch einfach gesagt werden, dass das Budget enorm wichtig ist. Unternehmen wie Facebook, Google, etc. wollen Geld verdienen. Wenn du also mehr Geld investierst, kriegst du auch mehr zurück. Du bekommst mehr Insights und besseren Support.

Sonja Berger l LinkedIn Trainerin

Werde sichtbar

„Ich suche nicht – ich werde gefunden.“ Wer das von sich behaupten kann, ist schon einen grossen Schritt weiter, ob auf LinkedIn oder im normalen Leben. Was viele jedoch vergessen ist, dass Sichtbarkeit nicht selbstverständlich ist, sondern es viel Zeit und Engagement braucht, diese zu erreichen.

Schritt 1. Die Profiloptimierung

Zuerst müssen die essentiellen Hausaufgaben gemacht werden:

  • Ein aktuelles Profilfoto – für alle sichtbar – ist Pflicht
  • Ein Hintergrundbild, das das eigene Self Marketing unterstützt ebenso
  • Ein Profilslogan, der klar und deutlich beschreibt, wer man ist und was man kann und
  • Eine Info bzw. Zusammenfassung, in der die eigene Geschichte in „Ich“-Form unterhaltsam erzählt wird.
  • Auch die Berufserfahrung darf ruhig ausführlicher dargestellt werden,
  • Ebenso die Kenntnisse und Fähigkeiten von denen bis zu 50 hinzugefügt werden können.

Tipp: Es muss nicht alles knochentrocken sein, Emojis, Mediadateien und PDFs lockern das Ganze „Personal Branding“ sehr auf.

Schritt 2. Das Netzwerken

Viele haben Angst, Anfragen abzulehnen und denken, dass der andere eine Nachricht erhält. Dem ist nicht so. Daher alle ablehnen, die nicht ins eigene Netzwerk passen, dafür aber proaktiv das eigene Netzwerk aufbauen:

  • Wen kenne ich selbst
  • Wen kennen meine Arbeitskollegen
  • Gibt es gemeinsame Bekannte und
  • Wer beschäftigt sich mit gleichen Themen wie ich, dabei hilft die gezielte Suche nach Content via Hashtags.
  • Hilfreich ist es auch, bestimmten Gruppen und Unternehmen zu folgen.

Tipp: Bei der Kontaktanfrage nicht mit der Tür ins Haus fallen, sondern – wie im echten Leben – höflich bleiben und bloss noch nichts verkaufen wollen.

Schritt 3. Der Content

Content ist die Königsdisziplin und zugleich das, was viele Leute abschreckt, aktiver auf LinkedIn zu sein. Doch Content und Interaktion sind nötig, um Engagement zu zeigen und sichtbarer zu werden:

  • Beiträge von anderen liken, kommentieren oder teilen
  • Selber Content erstellen, 1300 Zeichen sind pro Post möglich
  • Geschichten erzählen, die Leser fesseln
  • Fragen stellen und eine Call to Action einbauen
  • Ehrlich und authentisch sein

Tipp: Mit gutem Content darf ruhig auch mal provoziert werden, aber es muss immer respektvoll und auf Augenhöhe sein.

Chris Beyeler | Dozent & Digital Marketing Berater

In meinen Augen wird beim Personal Branding viel zu viel Wert auf den künstlichen Markenaufbau einer Person gelegt. Dabei ist es ja eigentlich umgekehrt. Branding ist daraus entstanden, weil Menschen vergänglich sind. Eine Marke versucht also die Merkmale von Menschen zu übernehmen, damit eine Bindung entsteht. Beim Personal Branding geht es viel mehr darum, dass die Kommunikation aktiv genutzt wird. Das heisst:

  • Stell dich in ein attraktives Licht mit gutem Foto, aufgeräumten Profil und guten Visualisierungen.
  • Zeige deine Fachexpertise zu dem Thema, dass du mit dir in Verbindung bringen möchtest mit Posts und Artikeln.
  • Vernetze dich mit Gleichgesinnten und netzwerke indem du kommentierst.

Das heisst, man muss Texten können, gute Fotos machen und ein bisschen grafische Fähigkeiten haben. Anschliessend kommt es auf die Kontinuität an.

Simon Flück | Gründer & Digital Marketer bei Atelier GoLive GmbH

Jeder Mensch ist gleichzeitig seine eigene Marke.

Dabei geht es darum, wie jemand von anderen wahrgenommen wird – ähnlich wie das Image eines Unternehmens. Dabei kann das eigene Branding je nach Gegenüber unterschiedlich sein. Denn ein Mensch spielt gleichzeitig verschiedene Rollen. Am Morgen kann jemand die fürsorgliche Mutter sein, auf dem Arbeitsweg beim Bäcker der hungrige Kunde, am Arbeitsplatz die nette Kollegin, abends noch in die Rolle des Dozenten schlüpfen und so weiter.

Wichtig ist zu wissen, welche Marke jemand sein möchte, für wen und welchen Nutzen es bringen soll. Heute wird dieses Instrument zur Selbstvermarktung vorwiegend in der Unterhaltungsbranche und immer mehr in der Arbeitswelt genutzt.

In der Arbeitswelt kann ein passendes Personal Branding helfen, einen neuen Job zu finden, die Position zu festigen oder an mehr Aufträge zu kommen. Schlussendlich geht es darum, die eigene Kompetenz eines spezifischen Bereichs und die Persönlichkeit nach aussen zu tragen.

Personal Branding Konzept:

Was will ich damit erreichen?

=> Bekanntheit in der Branche, Traumjob ergattern, mehr Kunden erreichen, …

Wen möchte ich beeindrucken und ansprechen?

=> Gleichgesinnte, potenzielle Kunden oder Arbeitgeber, Followers, …

Was ist der Nutzen für die anderen?

=> Jemand kennen, welche sich mit XY auskennt, das Produkt XZ verkauft, …

Wie soll meine Marke (personal Brand) aussehen und wie möchte ich wahrgenommen werden?

=> Auftreten, Aussehen, Kompetenz, Image, …

Was wäre mein Alleinstellungsmerkmal?

=> Spezifische Kompetenz, optische Auffälligkeit, …

Wie kommuniziere ich mein Personal Branding?

=> Als Person, über Social Media Kanäle, an Auftritten, …

Was und welche Botschaft kommuniziere ich?

=> Beiträge über das Thema XY, persönliche Eigenschaften, Alleinstellungsmerkmal

Möchte ich dafür Geld investieren

=> Werbung, Website, Auftritte, Kleidung, …

Tipp

Für das Personal Branding nutzen heutzutage viele Social Media-Kanäle wie Linkedin. Dabei werden eigene Inhalte veröffentlicht oder fremde geteilt und kommentiert. Dabei sollen die Inhalte für die Lesenden einen Mehrwert haben und das eigene Branding unterstützen.

Des Weiteren gehört auch das Auftreten und das Aussehen zum Personal Branding. Einige machen sich dies zu Nutze und tragen immer die gleichen oder ähnlichen Kleider, Brillen oder Accessoires. Ein hervorragendes Beispiel ist dafür Jörg Eugster, welcher türkisfarbene Kleider träg, Gilbert Gress mit seiner nie wechselnden Frisur und Brille sowie Steve Jobs und sein Rollkragenpullover.

Wichtig ist zu verstehen, dass ein Personal Branding Jahre braucht, bis es den gewünschten Effekt erzielt.

Fazit

Find your WHY

Wie es Simon Sinek so schön sagt: „Die Leute kaufen nicht, was du tust, sie kaufen, warum du es tust.“

Je besser du kommunizierst, warum du tust, was du tust, wofür und gegen was du stehst, desto besser können sich Leute mit dir identifizieren. Schlussendlich geht es darum Vertrauen aufzubauen, damit die Leute zu dir kommen, wenn sie Hilfe brauchen.

Es ist eine Investition

Der Aufbau einer Personal Brand ist immer auch eine Investition. Du musst Zeit investieren, um Conten zu erstellen, dein Netzwerk aufzubauen und konstant zu experimentieren. Zudem solltest du bereit sein, Geld zu investieren, um den Aufbau deiner Personal Brand zu beschleunigen. Damit sich diese Investments auch lohnen, sollte hinter der Personal Brand eine Möglichkeit stehen, die Bekanntheit auch in Verkäufe umzuwandeln.

Du musst wissen, wovon du sprichst

Ja, Content ist enorm wichtig, aber du musst darauf achten, dass sich deine Expertise mit den Interessen deiner Zielgruppe überschneidet. Das Ziel sollte immer sein, Mehrwert zu generieren. Mehrwert kannst du aber nur generieren, wenn du wirklich Ahnung von deinem Thema hast und sich deine Zielgruppe für genau dieses Thema interessiert. Wenn du dich bloss als Experte ausgiebst, um Aufmerksamkeit zu gewinnen, wird dir das langfristig sicher nicht helfen eine starke Personal Brand aufzubauen.

Marco Schiess
Marco liebt es unterschiedliche Meinungen zu bündeln und Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten. Als Chemiker hat er gelernt, wie wichtig das Zusammenspiel einzelner Komponenten ist und genau das zu verstehen und zu beherrschen fasziniert ihn auch im Online Marketing. Durch sein Masterstudium hat er seine Kenntnisse im Online Marketing ausgebaut und stillt nun seinen Wissensdurst, in dem er Experten zu brandheissen Online Marketing Themen befragt und das Resultat analysiert. Sein Motto dabei ist: Allein ist man stark, gemeinsam unschlagbar.

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