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TV-Sender unter Druck: Fernsehen verliert gegen Streaming weiter an Boden

Source: businessinsider.com

Lockdown und Social Distancing infolge des Coronavirus bescheren den Streamingdiensten erneut einen gehörigen Zuwachs. Aktuelle Studien von Audienceproject und der AGF Videoforschung zeigen, dass in Deutschland vor allem Netflix und Amazon profitieren, während klassisches TV weiter Marktanteile verliert. In der Schweiz ist Netflix mit grossem Abstand die Nummer 1, Amazon spielt keine grosse Rolle.

In fünf Jahren wird nur noch die Hälfte aller Deutschen klassisches Fernsehen nutzen. Schon jetzt schauen nur noch 79 Prozent lineares Fernsehen, das sind 4 Prozent weniger als noch 2018. Streaming-Dienste wie Netflix konnten in den vergangenen zwei Jahren ein Wachstum von 34 Prozent auf 56 Prozent verzeichnen, wie eine Umfrage der dänischen Marktforschungsfirma AudienceProject unter 7.000 Teilnehmern in den Nordischen Ländern, den USA, Grossbritannien und Deutschland zeigt.

«Klassisches Fernsehen steht zweifellos unter Druck, allerdings hat sich sein Niedergang in diesem Jahr etwas verlangsamt. Jedoch sind Werbungen für viele Zuschauer zu häufig und nicht relevant genug, ausserdem haben sie vor, in Zukunft mehr zu streamen. Das klassische Format wird es deswegen im kommenden Jahr schwer haben», so AudienceProject.

Ein grosses Problem von altmodischem Fernsehen sind repetitive Werbungen. Drei Viertel der deutschen Befragten haben die gleichen Anzeigen schon zu oft gesehen. Ein Viertel sieht die Clips auch als für sie wenig relevant. Jetzt schon benutzen 64 Prozent neben dem Fernseher einen anderen Bildschirm. 37 Prozent streamen 2020 mehr als zuvor.

Resultate einer Umfrage in Form eines Balkendiagramms, die zeigen, dass klassische TV Werbungen für sie irrelevant sind.

Disney+ legt stark zu

Von der steigenden Internetnutzung scheint unter anderem Disney+ profitiert zu haben. Der Marktstart in Deutschland fiel mit dem ersten coronabedingten Lockdown zusammen. Befragt danach, welche kostenpflichtigen Streaming-Dienste in den letzten drei Monaten genutzt wurden, nannten in der Welle 2020-I noch 1,5 Prozent der Befragten Disney+. Aktuell sind es bereits 7,2 Prozent. Damit liegt Disney+ auf Rang 3 hinter Netflix mit 34,4 Prozent und Amazon Prime Video mit 22,1 Prozent sowie vor Dazn mit 2,8 Prozent. Netflix konnte kräftig wachsen und verzeichnet einen Anstieg von fast 7 Prozentpunkten. Das entspricht einem Plus von 24,6 Prozent.

Insgesamt ist die Video-on-Demand-Nutzung im von Corona geprägten Jahr 2020 weiter gewachsen. Bereits 42 Prozent gaben an, in den letzten drei Monaten Inhalte auf VoD-Diensten gesehen zu haben – knapp 6 Prozentpunkte mehr als in der Frühjahrswelle (36,3 Prozent). «Wer Filme und Serien, aber auch Sport, sehen will, hat eine immer grössere Auswahl. Dieses Angebot scheint für mehr und auch breitere Bevölkerungskreise interessant zu sein», sagt Kerstin Niederauer-Kopf, Vorsitzende der AGF Geschäftsführung.

Netflix dominiert Schweizer Streaminglandschaft

Der unabhängige Online-Vergleichsdienst moneyland.ch hat im Rahmen einer repräsentativen Online-Umfrage die Nutzung von Video-Streaming in der Schweiz Anfang 2020 erfragt. Bereits 2018 hat moneyland.ch die gleiche Umfrage bei 1500 Schweizerinnen und Schweizern von Ipsos (damals noch unter dem damaligen Namen GfK Switzerland) durchführen lassen.

Umfrage von Moneyland, welche zeigt, dass Schweizer YouTube und Netflix am meisten nutzen.

Netflix hat in den letzten Jahren in der Schweiz ein markantes Wachstum hingelegt. Im Rahmen der Streaming-Umfrage von moneyland.ch im April 2018 hatten 20 Prozent der Befragten angegeben, Netflix zu nutzen, 13 Prozent bezahlten dafür. Rund zwei Jahre später gibt es bereits mehr als doppelt so viele Nutzer: 45 Prozent der Befragten nutzen Netflix. Unter den kostenpflichtigen Streaming-Diensten ist Netflix damit die Nummer Eins der Schweiz: Rund ein Drittel der Bevölkerung zwischen 18 und 74 Jahren zahlt für Netflix. 14 Prozent  der Befragten gaben an, dass sie Netflix gratis nutzen (10 Prozent kostenlos via Freunde). Amazon spielt mit 7 Prozent in der Schweiz noch keine grosse Rolle.

Simon Chiozza

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