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Kreativitätstechniken- und Prozess: So kommst du auf neue Ideen

Steht der Vorgesetzte im wöchentlichen Meeting vor dem Team und fragt nach kreativen Ideen oder Vorschlägen, so folgt darauf oft eine – ja, leicht unangenehme – Stille. Nur wenige können sich Inputs aus dem Ärmel schütteln und trauen sich, eine gewagte Idee zu bringen, wenn alle Mitarbeitende mit Abneigung reagieren könnten. Mit Kreativitätstechniken und dem passenden Prozess kann diesem Problem entgegengewirkt werden.

Das Marketing fordert Kreativität. Sei es für packende Werbevideos oder knackige Slogans, immer wieder werden zündende Ideen benötigt, um das Produkt oder die Dienstleistung des Unternehmens ideal zu vermarkten und zum Erfolg zu kommen. Doch es ist kein Leichtes, neue Ideen an den Tisch zu bringen, wann immer danach gefragt wird. Hier kann Kreativität aber auch gefördert werden.

So sieht ein Kreativitätsprozess aus

Bevor wir zu den verschiedenen Techniken kommen, wollen wir den Prozess, also die Vorgehensweise, definieren. Damit kreative Ideen kreiert werden können, braucht das Marketing Team einen Frame, in dem es sich bewegen kann. Der Kreativitätsprozess liefert diesen Rahmen. Es gibt nicht die allgemeingültige Formel, die für jedes Unternehmen und jedes Produkt oder jede Dienstleistung funktioniert, jedoch kann man sich ungefähr an diesen vier Schritten orientieren:

  • Problem identifizieren
  • Ideen sammeln
  • Ideen evaluieren
  • Ideen umsetzen

Das bedeuten die vier Schritte

Kreativitätsprozess Schritt 1: Problem identifizieren

Bevor überhaupt Ideen generiert werden, muss das Problem erkannt werden. Was soll gelöst werden? Wieso gibt es dieses Problem? Je mehr man sich mit der Problemstellung befasst, umso besser kann man das Problem angehen, deshalb sollte diese erste Phase nicht unterschätzt oder überstürzt werden.

Kreativitätsprozess Schritt 2: Ideen sammeln

Ist allen klar, was die Sachlage ist, so kann mit dem Sammeln von Ideen begonnen werden. Grundsätzlich gilt hier, dass das Team alle Ideen anbringen kann, die ihm in den Sinn kommen. Es kommt in dieser Phase noch nicht darauf an, ob die Ideen realisierbar oder „gut“ sind. Quantität geht vor Qualität.

Kreativitätsprozess Schritt 3: Ideen evaluieren

Erst wenn die Ideen im nächsten Schritt evaluiert werden, werden Kritik oder Sorgen geäussert. Nun geht es effektiv darum, zu schauen, welche Ideen umgesetzt werden können. Das Team soll festlegen, ob die Idee sinnvoll, effizient und zielführend ist.

Kreativitätsprozess Schritt 4: Ideen umsetzen

Schlussendlich geht es an das Umsetzen der Ideen. Hier werden die Ideen also zur Realität. Der Kreativitätsprozess ist hier theoretisch abgeschlossen. Sollten die umgesetzten Massnahmen jedoch nicht den gewünschten Erfolg bringen oder werden neue Ideen benötigt, so startet der Prozess erneut.

7 verschiedene Kreativitätstechniken

«Ideen sammeln» ist einfacher gesagt als getan. Deshalb gibt es für diesen Schritt diverse Techniken, die helfen, auf gute Ideen zu stossen. Je nach grösse des Teams, vorhandener Zeit und Präferenz kann eine andere Methode verwendet werden.

Brainstorming

Wohl eine der bekanntesten Techniken ist das Brainstorming. Die beteiligten Personen haben einen offenen Austausch und eine Person notiert alle Ideen auf einem Flipchart, Whiteboard oder ähnlichem. Alle Personen in der Gruppe können ihre Ideen offen einbringen und alle Ideen werden aufgeschrieben – egal wie begeistert die Gruppe von der Idee ist.

Ein Team sucht kreative neue Ideen und ist dazu am Brainstormen.
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Wichtig für ein erfolgreiches Brainstorming ist, von Anfang an klarzustellen, dass die Ideen noch keineswegs evaluiert oder kritisiert werden. So soll sichergestellt werden, dass auch out of the box Inputs gemeldet werden, aus denen spannende Massnahmen geformt werden können.

Das Brainstorming ist einfach umzusetzen und nicht allzu zeitaufwändig. Jedoch kann es je nach Gruppe bzw. Mitarbeitern variieren, wie viele Ideen zustande kommen. Ebenfalls muss berücksichtigt werden, dass eher introvertierte oder stille Mitarbeitende bei dieser Technik leicht untergehen können, während extravertierte Personen das Meeting eher leiten.

Brainwriting

Je nach Dynamik in einem Team oder einer Abteilung kann das Brainwriting ein passender Ansatz sein. Grundsätzlich funktioniert das Brainwriting nach dem Prinzip des Brainstormings: alle Ideen werden dokumentiert, egal wie realistisch oder umsetzbar sie sind.

Bei dieser Technik wird, wie der Name schon sagt, jedoch nicht in der Gruppe diskutiert, sondern alle beteiligten Personen sitzen an einem Tisch und haben je ein Blatt Papier vor sich. Jede Person notiert dann während einigen Minuten alle ihre eigenen Ideen auf dem Papier, bevor dieses an den Tischnachbarn weitergereicht wird. Die nächste Person ergänzt die Ideen auf dem erhaltenen Blatt. Dieser Prozess kann mehrere Male wiederholt werden, bis alle Personen ihre Inputs geben konnten.

Der Vorteil dieser Kreativitätstechnik ist, dass alle Mitarbeitenden ihre Ideen anbringen können und nicht untergehen in einer Diskussion. So trauen sich vielleicht auch eher zurückhaltende Personen, ihre Vorschläge anzubringen, da eine gewisse Anonymität herrscht. Brainwriting kann jedoch etwas länger dauern als das Brainstorming.

Die 6-3-5 Methode

Bei dieser Technik werden sechs Personen benötigt, die je drei Ideen niederschreiben, welche fünf Mal weitergegeben werden. Die sechs Beteiligt setzen sich hier, ähnlich wie beim Brainwriting, zusammen und haben je eine leere Tabelle vor sich mit drei Spalten und sechs Zeilen.

Visualisierung der 6-3-5 Methode, was eine Kreativitätstechnik ist.
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Jede Person notiert nun drei Ideen zuoberst in die Spalte und reicht ihr Dokument weiter an die nächste Person. Nun können die vornotierten Ideen ergänzt oder auch leicht angepasst werden in der Zeile darunter, bevor die Tabelle an die wiederum nächste Person gereicht wird.

Am Ende der Runde hat man pro Tabelle drei mehr oder weniger ausformulierte Ideen, insgesamt also 18 Ideen. Die 6-3-5 Methode ist zeitaufwändiger als andere, fördert jedoch die Zusammenarbeit der einzelnen Mitarbeitern und liefert mehr als nur eins zwei Stichworte pro Idee.

Design Thinking

Das Design Thinking stellt den Kunden in den Mittelpunkt. Das bedeutet, die Mitarbeitenden überlegen sich immer aus der Sicht des Kunden, was gemacht werden soll oder was fehlt. Denn Design Thinking befasst sich nicht damit, Ideen in Form von Lösungen zu finden.

Bei dieser Methode geht es viel mehr darum, das Problem ganz genau zu verstehen und dementsprechend zu handeln. Jeder Beteiligte überlegt sich also, wo Handlungsbedarf ist oder was verändert werden soll – mit den Bedürfnissen der Kunden klar vor Augen. So kommt eine andere Sichtweise ins Spiel und hilft, passende Ansätze zu kreieren.

Die Walt Disney Methode

Für ein engagiertes und dynamisches Team eignet sich die Walt Disney Methode gut. Diese Methode ist kleines Rollenspiel, in welchem die Beteiligten in drei verschiedene Rollen schlüpfen, um Ideen auszuarbeiten.

Der Träumer ist der Visionär der Gruppe und bringt spannende und Kreative Ideen in die Runde.
Der Realist  befasst sich damit, ob die Ideen umsetzbar sind und nicht am Rande der Unmöglichkeit stehen
Der Kritiker hinterfragt die Ideen und zeigt Risiken oder Schwächen auf

Die Rollen können auch von mehreren Personen besetzt werden, so dass das ganze Team sich einbringen kann. Bei der Walt Disney Methode können Ideen von verschiedenen Blickwinkeln angeschaut werden und durch den lebhaften Austausch können weitere Inputs entstehen. Eine klare Verteilung der Rollen und einige Grundregeln (bspw. soll der Kritiker konstruktive Einwände bringen, nicht destruktive) sorgt für einen reibungslosen Ablauf.

Die Kopfstandmethode

Anstatt sich immer zu fragen, was wir haben und was wir wollen, wird bei dieser Technik genau das umgekehrte praktiziert. Bei der Kopfstandmethode überlegen sich die Beteiligten also Dinge wie: Was wollen unsere Kunden nicht? Was würde unseren Umsatz senken? Wie müssten wir das Produkt verändern, damit es weniger attraktiv ist?

Bei dieser Methode geht es darum, eine andere Sichtweise zu erhalten. Kommt die Erkenntnis, dass die Kunden beispielsweise keinen unbequemen Schuh wollen, so können Ideen generiert werden, wie der Tragekomfort gesteigert werden kann.

ABC Technik

Wer es simpel mag und möglichst viele Ideen will, der sollte sich die ABC Technik zu Nutze machen. Alle Beteiligten schreiben sich hier zu jedem Buchstaben im Alphabet eine Idee auf. Schlussendlich sollten so pro Person 26 Ideen zusammengetragen werden.

Diese Technik ist alles andere als aufwändig und liefert diverse Inputs. Jedoch muss man beachten, dass nicht für jeden Buchstaben ein Vorschlag notiert werden kann (vor allem bei Buchstaben wie Q, X, Y und Z) und dass sich Ideen auch wiederholen können zwischen den verschiedenen Personen.

Das Beste für das Team

Welche der verschiedenen Kreativitätstechniken schlussendlich genutzt werden, muss individuell bestimmt werden im Unternehmen. Zentral dabei ist, sich bewusst zu sein, wo die Stärken des Teams liegen. Es lohnt sich nicht, die Walt Disney Methode anzuwenden, wenn die Mitarbeitenden alle eher die stillen Schreiberlinge sind, die nicht gerne vor anderen Personen stehen.

Auch muss man sich bewusst sein, dass der Ideenfindungsprozess nicht immer linear ist. So folgt nicht immer zuerst eine Analyse, dann die Idee und dann die Evaluation. Einige der besten Ideen kommen uns in den Sinn, wenn wir alltägliche Aufgaben am erledigen oder kurz vor dem Einschlafen sind. Darum ist es wichtig, dass Entscheidungsträger auch ausserhalb eines Prozesses offen sind, Ideen zu empfangen und diese weiterzuverfolgen. So kann die Kreativität der Mitarbeitenden gefördert werden und neue Ideen werden ins Unternehmen getragen.

Nicole Langhart
Nicole hat dank ihrem laufenden Studium in Kommunikation einen Einblick ins Marketing und in den Journalismus werfen können. Nachdem sie nun hands-on Marketing Erfahrung in einem Start-Up gesammelt hat, zieht es sie zu marketing.ch, um die Leserinnen und Leser mit den neusten Trends und hilfreichsten Ratgebern auf dem Laufenden zu halten.

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