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Kopf des Monats | August 2016 – Roger de Weck

Roger de Weck
Generaldirektor SRG SSR

Der zweisprachige Freiburger Roger de Weck – aufgewachsen in Genf und Zürich – schloss 1976 das Wirtschaftsstudium in St. Gallen an der HSG ab. Danach schrieb er für die «Tribune de Genève», die «Weltwoche» und die Hamburger Wochenzeitung «Die Zeit».

1992 bis 1997 war er Chefredaktor des Zürcher «Tages-Anzeiger» und Mitglied der Tamedia-Unternehmensleitung. Mitte 1997 kehrte er als Chefredaktor zur «Zeit» nach Hamburg zurück. 2001 bis 2010 war er Publizist in Zürich und Berlin.

Er moderierte die SRF Fernsehsendung «Sternstunde Philosophie» und präsidierte in Genf den Stiftungsrat des Graduate Institute of International and Development Studies. Er ist Ehrendoktor der Universitäten Luzern und Freiburg.

 

Heutzutage herrscht ein starker Wandel im Bereich verschiedenster Technologien in der Medienbranche. Wie ist es möglich die Trends nicht zu verschlafen?

Die Trends greifen wir auf, die Trends antizipieren wir. Wir sind dafür da uns immer zu überlegen, wie sieht es in 2, 3 oder sogar 5 Jahren aus? 5 Jahre ist schon sehr, sehr weit weg bei dem Umbruch in der Medienlandschaft, um uns zu fragen: Was machen wir daraus? Wir haben zu diesem Zweck beispielsweise einen Strategiestab, der hellwach ist und der die Entwicklungen weltweit verfolgt.

 

Die Zuschauer stellen hohe Qualitätsansprüche an die Publikationen aber genauso wichtig ist die Schnelligkeit. Wie bleibt hierbei genug Zeit für die Qualität?

Super, super, super schnell muss man ja nicht immer sein, denn einfach auf den Journalismus zu verzichten und nur zu übertragen was läuft ohne es einordnen zu können, ohne es zu verstehen, ohne es zu erklären – das brächte wenig. Wir wollen schnell sein, aber dank öffentlicher Finanzierung haben wir auch Redaktionen, die viele Kompetenzen auf sich bündeln und dann entsprechend schnell auch eine Entwicklung einordnen und erklären können. Das ist die Kunst des Journalismus. Real Time Journalismus ist schon manchmal gefährlich oder sehr redundant, weil man Tag aus Tag ein die ähnlichen Bilder wiederholt, die letztlich keinen Informationswert haben.

 

Welche Trends machen der SRG in diesem Jahr besonders zu schaffen?

Ihre Frage unterstellt, dass uns Trends zu schaffen machen – ich sehe den digitalen Umbruch als Chance. Ich bin ein Kulturoptimist und ich freue mich, dass wir dank der Digitalisierung so viel mehr unseren Hörern und Zuschauern bieten können.

Beispielsweise Podcasts, beispielsweise Livestream, beispielsweise die Sendung, die Sie verfolgen können, wann sie wollen, wo sie wollen und auf welchem Gerät Sie wollen. Das sind alles lauter Chancen. Ein Beispiel: Wir haben in der Deutsch Schweiz ein wunderbares Kulturradio – Radio SRF2 Kultur. Die meisten Vertiefungssendungen laufen am Morgen, wenn die Menschen arbeiten. Nachher am Abend, können Sie diese Sendungen trotzdem geniessen. Das konnten Sie früher, vor der Digitalisierung nicht. Die Digitalisierung ist nicht eine Bedrohung, sondern eine Chance.

 

Bereitet Ihnen die No-Billiag Initiative grosse Sorgen? Was passiert, wenn die Initiative angenommen wird?

Diese Initiative möchte, dass es in der Schweiz nur noch kommerzielles Radio und Fernsehen gibt – kein öffentliches Medienhaus mehr, weil in der Bundesverfassung festgehalten würde, öffentliches Geld für Radio und Fernsehen darf nicht mehr fliessen. Ich glaube nicht, dass die Schweizerinnen und Schweizer das wollen. Und ich bin nun wirklich nicht dabei mir zu überlegen was wäre, wenn diese Initiative angenommen würde. Ich denke, sie wird nicht angenommen und sie wird vorbeigehen wie das Flugzeug, das wir jetzt im Hintergrund hören, und das so viel Lärm verursacht. Es wird eine lärmige Debatte aber es wird gleichzeitig auch eine Debatte, die sehr viel mehr Kenntnisse über das öffentliche Medienhaus und seine Rolle vermitteln wird.

 

Was sind Ihre grössten Wünsche für Ihre Branche?

Wenn Sie mich denn auf das öffentliche Medienhaus ansprachen, ich wünschte mir, dass wir immer besser vermitteln, was ein öffentliches Medienhaus von einem privaten Medienhaus unterscheidet. Der erste ganz gewaltige Unterschied ist, wir produzieren fast nur Sendungen, die für private ein Verlustgeschäft wären. Auf diesem kleinen schweizer Markt, 4 sprachigen Schweizer Markt kann man ja mit guten Sendungen fürs breite Publikum fast kein Geld verdienen. Wir machen dank öffentlicher Finanzierung gute Sendungen fürs breite Publikum. Ein privater könnte das in dieser Breite und Tiefe nicht machen. Zum zweiten bieten wir eidgenössische Solidarität – 70% der Einnahmen der SRG stammen aus der Deutschschweiz, die aber nur 45% erhält und die Differenz dient der Mitfinanzierung von gutem Radio und Fernsehen in der französischen, italienischen und rätoromanischen Schweiz. Stellen Sie sich nur eine Sekunde vor in Sachen Medien wären die Deutschschweizer privilegiert, die französisch Schweizer benachteiligt – das gibt Spannungen. Und zum Dritten unser Angebot ist nicht einfach nur von der Nachfrage bestimmt sondern auch vom Auftrag bestimmt. Wir bringen beispielsweiseweise zur besten Sendezeit ein Kulturmagazin, ein Wissenschaftsmagazin, ein Wirtschaftsmagazin, einen anspruchsvollen Dokumentarfilm. Das würde kein Privater tun. Wir sind gundverschieden und wollen es bleiben.

 

Was ist Ihr persönlicher Schlüssel zum Erfolg?

Spass. Ich meine in einem Medienhaus wo es keinen Humor gäbe, wo es nur Weisungen gäbe und Reglemente und Bürokratien – Nein, so ist man nicht kreativ. Wenn man Freiräume hat, Spass hat, Humor entschärft so manchen Konflikt. Dann kommt man weiter. Es ist sehr verkürzt aber ganz unstimmig ist es nicht.

 

Wo sehen Sie sich in 5 bis 10 Jahren (privat&beruflich)?

Die SRG in 5 bis 10 Jahren ist ein digitales Medienhaus. Ihre Kernstrategie ist es, im Internet so gut zu sein wie in den Kanälen. Sendungen zu produzieren, Videos Audios, Sie auf bestmögliche Art und Weise zur Geltung zu bringen, in den Kanälen und im Internet. Tun wir das, dann werden wir Erfolg haben und die Internetnutzung wird sich stark verlagern auf die sozialen Medien, wird sich stark verlagern auf das Handy und der kleine Bildschirm des Smartphones ist mindestens so wichtig wie der grosse Bildschirm des Fernsehapparates. Das ist der Kern unserer Strategie und was mich betrifft in 5 bis 10 Jahren, ja, da werde ich wie so oft in meinem Leben wieder hinter dem Schreibtisch sitzen und schreiben, schreiben, schreiben – hoffentlich nicht so schlecht.

 

Wir bedanken uns ganz herzlich für die aufgebrachte Zeit, die Sie sich für unser Interview zum „Kopf des Monats August 2016“ genommen haben und wünschen Ihnen für die Zukunft alles Gute! 

Redaktion
Die Redaktion von marketing.ch liefert seit 2012 regelmässig spannende Inhalte rund um das Thema Marketing. Wenn kein anderer Autor hinterlegt ist, hat das marketing.ch Team gemeinsam unter diesem Account an den Artikeln gearbeitet. 🙂

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