Andreas Steiner: «Websites scheitern oft daran, dass man Nutzer:innen zu viel zumutet.»

Unternehmen erbringen viel Aufwand und setzen oft sehr viel Geld ein, um Besucher:innen auf die eigene Website zu leiten. Umso unglücklicher ist es, wenn die User:innen nicht zu einer Conversion geführt werden. Das Kernproblem ist dabei oft eine psychologische Überforderung durch die Struktur. Websites scheitern meist nicht an fehlenden Inhalten oder mangelnder Ästhetik, sondern daran, dass sie den Nutzer:innen zu viel, zu früh und in der falschen Reihenfolge zumuten.

Ein wirkungsvoller Aufbau sollte daher nicht bei Design oder Content beginnen, sondern sich zunächst mit dem menschlichen Entscheidungsprozess auseinandersetzen. Modelle aus Psychologie und UX-Forschung zeigen: Erfolgreiche Websites folgen einem stabilen Prinzip.

Der Irrtum: „Alles ist gleich wichtig“

Man ist sich einig: Jedes Unternehmen braucht eine aktuelle, aussagekräftige und differenzierende Website. Doch sobald ein Website-Projekt angepackt wird, folgt man oft einem „demokratischen Prinzip“: Alle Stakeholder dürfen ihre Inhalte platzieren, alle Botschaften werden als gleichrangig eingestuft und alles soll möglichst schnell für jeden sichtbar sein.

Noch gravierender ist die schleichende Überladung über die Jahre: Durch laufend kleine Aktualisierungen wird eine einst klar strukturierte Website stetig mit neuen „wichtigen“ Inhalten erweitert. Dabei geht oft der Blick dafür verloren, ob die Nutzer:innen diese Informationsflut überhaupt noch in einer sinnvollen Reihenfolge verarbeiten können.

Das Resultat ist in beiden Fällen eindeutig:

  • Komplexe Startseiten und überladene Navigationen.
  • Zu viele Optionen, die zu mangelnder Orientierung führen.
  • User:innen schaffen es zwar auf die Website, führen dort aber keine erwünschte Handlung aus, weil sie sich nicht zurechtfinden.

Das Problem ist nicht der gute Wille, sondern ein grundlegendes Missverständnis darüber, wie Menschen Entscheidungen treffen. Genau hier helfen wissenschaftlich fundierte Modelle weiter, um eine psychologisch richtige Website-Struktur aufzubauen.

Modell 1: Cognitive Load Theory – Vollständigkeit ist zweitrangig

Die Cognitive Load Theory (John Sweller) beschreibt eine einfache, aber folgenreiche Tatsache: Das menschliche Arbeitsgedächtnis ist stark begrenzt. Menschen können nur eine sehr begrenzte Menge neuer Informationen gleichzeitig aufnehmen, verarbeiten und bewerten. Wird diese Kapazität überschritten, schaltet das Gehirn in einen Sparmodus – oder steigt ganz aus.

Für Ihre Website bedeutet das: Orientierung ist wichtiger als Vollständigkeit. Verständnis kommt vor der Detailtiefe. Eine gute Website folgt daher einer klaren Progression:

  1. Einordnung: Wo bin ich hier?
  2. Kernaussage: Worum geht es – und warum ist das relevant für mich?
  3. Vertiefung: Details, Argumente, Hintergründe
  4. Entscheidung: Was soll ich jetzt tun?

Websites, die sofort mit technischen Details oder acht gleichwertigen Menüpunkten starten, zwingen Nutzer:innen dazu, sich durch die Struktur zu denken, statt vom Inhalt geführt zu werden. In diesen Fällen ist nicht der Inhalt das Problem, sondern der Zeitpunkt, zu dem er präsentiert wird.

Modell 2: Hick’s Law & Fitts’s Law – Auswahl lähmt und Nähe entscheidet

Zwei der am besten belegten Gesetze der UX-Forschung beschäftigen sich mit Mikroentscheidungen – haben aber massive Auswirkungen auf die Gesamtwirkung einer Website. Hick’s Law und Fitt’s Law.

Hick’s Law

Je mehr Auswahlmöglichkeiten ein Mensch hat, desto länger dauert die Entscheidung – und desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass gar keine Entscheidung getroffen wird.

Fitts’s Law

Je grösser und näher ein Interaktionselement ist, desto einfacher und wahrscheinlicher wird die Handlung. Oder anders gesagt: Menschen klicken nicht dort, wo es möglich ist – sondern dort, wo es am wenigsten Aufwand bedeutet.

Übertragen auf Websites

  • Zu viele Menüpunkte verlangsamen Entscheidungen
  • Gleichwertig dargestellte Optionen konkurrieren miteinander
  • Primäre Handlungen müssen visuell priorisiert werden

Die implizite Reihenfolge

  1. Priorisieren: Was ist die wichtigste Handlung?
  2. Reduzieren: Was kann warten?
  3. Führen: Wohin soll der Blick – und der Klick – zuerst gehen?

Navigation, CTAs und Seitenstruktur sind damit keine Designfragen, sondern Entscheidungsarchitektur.

Modell 3: Das LIFT Model – Warum Klarheit vor Conversion kommt

Das LIFT-Model (entwickelt von Chris Goward) fasst Erkenntnisse aus tausenden A/B-Tests zusammen und beschreibt, welche Faktoren Nutzer:innen zur Entscheidung führen – oder davon abhalten.

1. Value Proposition → Nutzenversprechen

Was habe ich konkret davon?
Nicht „was bieten wir“, sondern welcher Mehrwert entsteht für mich – klar, sichtbar, relevant.

2. Relevance → Relevanz für meine Situation

Ist das für mich gemeint?
Zielgruppenbezug, Kontext, Tonalität. Menschen müssen sich gemeint fühlen, nicht nur informiert.

3. Clarity → Verständlichkeit & Orientierung

Verstehe ich das Angebot und den nächsten Schritt?
Einfache Sprache, klare Struktur, keine Interpretationsarbeit.

4. Anxiety → Zweifel & Risiken

Was könnte schiefgehen?
Unsicherheiten, Bedenken, Hürden – bewusst adressieren und abbauen.

5. Distraction → Ablenkungen

Was hält mich davon ab, mich zu entscheiden?
Überflüssige Inhalte, konkurrierende CTAs, visuelles Rauschen.

Die entscheidende Erkenntnis

Conversion ist kein einzelner Moment, sondern das Ergebnis einer Abfolge von Bewertungen im Kopf der Nutzer:innen. Wichtig: Eine starke Value Proposition nützt nichts, wenn sie in Unklarheit oder Ablenkung untergeht.

Die gemeinsame Logik hinter allen Modellen

So unterschiedlich die Modelle auf den ersten Blick wirken – sie führen zur gleichen Erkenntnis:

Gute Websites folgen immer derselben Reihenfolge:
Relevanz → Orientierung → Verständnis → Vertrauen → Handlung

Oder anders gesagt: Menschen entscheiden nicht rational von Anfang an – sie nähern sich einer Entscheidung schrittweise.

Ein praxistaugliches Ordnungsprinzip für Websites

In der Praxis hat sich gezeigt, dass Websites besonders dann wirken, wenn Strategie, UX und Content von Beginn an entlang dieses Entscheidungsprozesses gedacht werden. Die Webdesign-Agentur ROSAROT hat aus der Synthese der Modelle ein klares, universelles Prinzip abgeleitet:

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1. Relevanz vor Information

Nicht: „Was wollen wir sagen?“
Sondern: „Warum sollte das jemanden interessieren?“

2. Orientierung vor Tiefe

Nicht: „Alles auf einmal.“
Sondern: „Ein klarer Einstieg, der einordnet.“

3. Verständnis vor Argumentation

Nicht: „Unsere Features.“
Sondern: „Was bedeutet das konkret für mich?“

4. Vertrauen vor Aktion

Nicht: „Jetzt kaufen!“
Sondern: „Warum ist das eine gute, sichere Entscheidung?“

5. Handlung ohne Ablenkung

Nicht: „Viele Optionen.“
Sondern: „Ein nächster, logischer Schritt.“

Fazit: Gute Websites sind Entscheidungshelfer

Die wichtigste Erkenntnis aus all diesen Modellen ist: Eine Website ist kein Informationsspeicher, sondern ein Entscheidungsraum. Erfolgreiche Websites verzichten nicht auf Inhalte, visuelle Effekte oder Erklärungen – siesetzen sie in der richtigen Reihenfolge und mit einer klaren Funktion ein.

Wer Websites konsequent entlang des menschlichen Entscheidungsprozesses aufbaut, sorgt dafür, dass:

  • auf den ersten Ebenen nur jene Inhalte sichtbar sind, die Relevanz herstellen, Orientierung geben und ein erstes Verständnis ermöglichen – während Tiefe, Detailgrad und SEO-intensiver Content bewusst nachgelagert sind.
  • visuelle Effekte nicht nur Aufmerksamkeit erzeugen, sondern aktiv zur Führung, Verständlichkeit oder Vertrauensbildung beitragen – und damit sowohl Verweildauer als auch Entscheidung unterstützen.
  • Erklärungen nicht verschwinden, sondern dort stattfinden, wo Nutzer:innen sie brauchen – schrittweise, kontextuell und ohne unnötige kognitive Umwege.

Das Ergebnis sind Websites, die gleichzeitig klarer in der Wahrnehmung, tiefer in der Information und wirksamer in der Entscheidung sind.

Oder noch einfacher gesagt: Nicht alles, was wichtig ist, muss zuerst kommen. Nur das Richtige.

Hinweis: Für die Recherche und konsistente Erstellung des Artikels wurden unterstützend KI-Modelle von OpenAI und Google eingesetzt.

Andreas Steiner

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