StartSocial Media MarketingYubo, Telepath & HAGS - diese neuen Social Apps sind gerade am...
Bildquelle: shutterstock.com

Yubo, Telepath & HAGS – diese neuen Social Apps sind gerade am durchstarten

Einige der neuen Apps sind zwar gar nicht mehr so neu, aber aktuell ziemlich beliebt. Ob sie das Zeug dazu haben, die nutzerstärksten Apps wie Insta, Snapchat und Co. abzulösen, wird sich zeigen. In jedem Fall haben sie ordentlich Unterstützung durch Venture-Capital-Unternehmen. Und da das social life wegen Corona nun vermehrt virtuell stattfindet, könnten auch künftig neue Social Apps boomen und sich durchsetzen. Telepath, HAGS und Yubo sind drei Apps, die möglicherweise noch ordentlich Nutzer gewinnen werden.

Yubo – Social App oder Dating-Plattform für Teens?

Yubo ist eine französische Social App für Android und iOS und existiert schon fünf Jahre. Mit der App soll es laut Claim („Make new friends“) einfach sein, neue Leute kennenzulernen und sich mit ihnen zu verbinden. Das Angebot richtet sich an Teenies und junge Menschen zwischen 13 und 25 Jahren. Eine der Hauptfunktionen sind Gruppen-Livestreams mit bis zu zehn Personen. Aber nicht nur das soll die User der App ansprechen. Weitere Funktionen erinnern an andere Social Apps. Zum Beispiel gibt es auch Einzel-Chats und -Streams oder die User können gemeinsam ein Spiel spielen. Irgendwie kommt einem das alles bekannt vor, trotzdem meint Sacha Lazimi (Mitbegründer von Yubo) gegenüber Sifted: „Der Social Graph von Yubo Usern ist mit denen, die man typischerweise auf Facebook oder Snapchat finden würde, überhaupt nicht vergleichbar. Wir befriedigen ganz andere Bedürfnisse.“

Eine weitere Funktion der App, die wir vor allem von Tinder kennen, ist das Swipen – die User wischen sich einfach durch neue, potenzielle Kontakte.

Flirten für Minderjährige – Elternorganisationen sehen’s kritisch

Vor allem wegen der Swipe-Funktion steht Yubo als Dating-App für junge Leute in der Kritik. Das Unternehmen beteuert zwar ausdrücklich, dass es nicht darum gehe, romantische Kontakte zu knüpfen, aber so richtig werden sie dieses Image nicht los. Wer ein Blick auf die YouTube-Videos oder Tweets zu Yubo wirft, der stellt schnell fest, dass es eben doch viel um Flirten und sexuell orientierte Inhalte geht. An sich ja auch kein Problem, Apps wie Tinder sind ja ähnlich gelagert. Das Problem bei Yubo besteht allerdings darin, dass viele Nutzer minderjährig sind. Elternorganisationen kritisieren das und machen darauf aufmerksam, dass Yubo nicht unkontrolliert von jungen Teenies genutzt werden sollte. Darauf reagieren die Macher von Yubo, indem sie eine Partnerschaft mit einer Kinderschutzorganisation planen, das soll bei minderjährigen Usern für mehr Sicherheit sorgen. Und dies ist bitter nötig, wenn man sich Tweets wie diesen anschaut:

Einige Funktionen werden bei Yubo erst durch In-App-Käufe freigeschaltet

Yubo hat verschiedene Funktionen gesperrt, die erst durch einen Einkauf in der App oder andere Massnahmen verfügbar gemacht werden. Das funktioniert teilweise durch das „Mitglieder werben Mitglieder“ Prinzip. User machen die App dadurch bekannter und bekommen als Goodie App-Erweiterungen. Wer zum Beispiel ein Profil-Spotlight einrichten möchte, was mehr Sichtbarkeit verspricht oder wer wissen möchte, wer in welche Richtung geswipet hat, der muss entweder Freunde einladen oder eben Geld ausgeben. Ein paar der Funktionen lassen sich per Einkauf freischalten, bei anderen wiederum muss ein Abonnement abgeschlossen werden.

Yubo wirbt aktiv um neue Nutzer

Über die In-App-Käufe hat Yubo nach eigenen Angaben im Jahr 2019 einen Umsatz von 8,6 Millionen Euro erzielt. Sacha Lazimi Yubo-Mitbegründer meint:

Wir sind das einzige Social Network mit diesem Gaming-artigen Modell.

Sacha Lazimi, Yubo-Mitbegründer

Wie viele Spiele-App-Firmen, schaltet auch Yubo innerhalb anderer Apps Werbung. Um ihre Zielgruppe zu erreichen, gibt es Anzeigen auf Snapchat, Instagram und Youtube. Der Werbeauftritt von Yubo lässt sich auch über ein YouTube Video nachvollziehen, mit über 13 Millionen Klicks ist das Werbevideo nicht grade unbekannt. Ebenfalls setzt das Unternehmen auf Kooperationen mit Influencern auf Instagram. Mittlerweile soll die App 40 Millionen User weltweit haben. Der Grossteil der Nutzer stammt laut Unternehmensangaben aus Nordamerika, französische User gibt es grade mal fünf Prozent. Ein richtiger Durchbruch der App schien lange Zeit nicht absehbar zu sein, immerhin gibt es Yubo, das vorher als Yellow bekannt war, schon seit 2015. Im Dezember 2019 gab das Unternehmen im Rahmen einer Pressemitteilung 25 Millionen Nutzer bekannt, mittlerweile sind es 40 Millionen. Und viele versuchen bereits, das Gamification-System zu knacken:

Yubo sammelt Investorengelder, um weiter zu wachsen

Wie man auf Crunchbase nachlesen kann, gab es für Yubo drei Funding-Runden, die dem Unternehmen knapp 20 Millionen US-Dollar eingebracht haben. Vor allem die letzte, sogenannte Series B Round, hat im Dezember etwa 12,3 Millionen US-Dollar eingespielt. Zu den Hauptinvestoren gehören Iris Capital (unter anderem Partner vom französischen Mobilfunkanbieter Orange) und Idinvest Partners (der Venture-Capital-Zweig der Allianz Versicherung). Das Geld soll in den Ausbau der internationalen Expansion fliessen und damit auch in weitere Mitarbeiter. Besonders in Japan und Brasilien möchte das Unternehmen wachsen. Erst kürzlich (September dieses Jahr) hat Yubo eine Niederlassung in London und den USA eröffnet.

Telepath das soziale Netzwerkt für freundliche und themenbezogene Kommunikation

Telepath ist eine iOS App, die Menschen miteinander verbinden soll. Die Süddeutsche Zeitung schreibt: „Wie Facebook, nur ohne Gift und Galle.“ Im Fokus steht also, dass sich User mit gleichen Interessen connecten und dabei seitens der Betreiber auf Fake News und Diskriminierung rigoros reagiert wird. Telepath-Chef Richard Henry schreibt auf der Plattform: „Einfach ausgedrückt ist Telepath ein neues soziales Netzwerk mit Fokus auf Konversation – ein Raum, in dem sich Menschen miteinander befreunden können, die dieselben Interessen teilen“.

Themenbezogene Postings in Form von Bild und Text

Telepath vereint Funktionen, die wir von Reddit und Twitter kennen. Man kann zum Beispiel anderen Usern folgen, sowie das auch bei Twitter oder anderen Social Apps möglich ist und man kann Netzwerken beitreten, die bestimmte Themenschwerpunkte haben (so ähnlich funktionieren auch die Subreddits von Reddit). Am beliebtesten sind aktuell Networks mit VC- oder Tech-Themen. Wer etwas posten möchte, der tut das innerhalb eines Netzwerks, also immer themenbezogen. Dabei sind Postings in Form von Bild oder Text möglich. Nach 30 Tagen werden Diskussionen oder Posts bei Telepath automatisch gelöscht.

Das frühe Internet war ein wirklich guter Ort, um Freunde rund um die eigenen Interessen zu finden

Richard Henry, Telepath-Mitbegründer

Telepath richtet sich an User, ab etwa 25 Jahren und aufwärts. Wie Telepath-Mitbegründer Richard Henry schreibt: „Das frühe Internet war ein wirklich guter Ort, um Freunde rund um die eigenen Interessen zu finden“, offensichtlich ist das seiner Meinung nach nicht mehr so und deswegen muss eine Social App wie Telepath her. Er hat dafür eigens sechs Richtlinien definiert, die die Zielsetzung der App beschreiben:

  • Ein „obsessiver Fokus“ auf gute Konversationen
  • Die Priorisierung von Moderation gegenüber reinem Wachstum
  • Das Nichttolerieren von Hassrede
  • gezieltes Vorgehen gegen Desinformation
  • Nicht nur auf Klicks optimieren
  • Räume zu schaffen, für Menschen, die die gleichen Interessen teilen

Vor allem Hassrede soll komplett auf Telepath unterbunden werden, schliesslich lautet die wichtigste Regel für Telepath-User: Be kind (übersetzt: sei freundlich.)

screenshots aus der telepath app
Telepath fokussiert sich auf wertvolle Inhalte. Bildquelle: en24news.com

Das Gründer-Team von Telepath lässt seine Kontakte spielen

Unbeschriebene Blätter sind die Telepath-Gründer keines Falls, sie alle haben vormals bei der Plattform Quora führende Positionen besetzt. Der aktuelle CEO von Telepath Richard Henry war dort Product Lead, sein Gründerkollege Marc Bodnick hatte die Position des Leiters im Bereich Business & Community. Weiter ist die Ex-Quora Global Writer Relations Lead, Tatiana Estévez mit an Board, die bei Telepath nun Head of Community & Safety ist. Rodericka Applewhaite ist nun Head of Outreach und hatte zuvor an der Kampagne des amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Pete Buttigieg gearbeitet.

Bekannte Persönlichkeiten sind schon bei Telepath unterwegs

Damit wird deutlich, dass das Gründungsteam von Telepath nicht nur einiges auf dem Kasten, sondern auch selbst ein gutes Netzwerk hat. Zum Start von Telepath haben renommierte Magazine wie Protocol, The Verge, MIT Technology oder auch Techcrunch berichtet. Für noch mehr Publicity dürften ausserdem bekannte Persönlichkeiten aus der US-Tech-Szene sorgen, die sich schon bei Telepath angemeldet haben. Darunter zählen zum Beispiel: Stuart Butterfield (Slack), Reid Hoffmann (Linkedin) oder Daniel Ek (Spotify). Weiter sind die bekannten Journalisten Robert Scoble, Casey Newton oder Kara Swisher dabei, auch Venture capitalists wie MG Siegler, Andrew Chan oder Josh Elman.

Seed-Funding von bekannten VCs aus dem Valley

Wie man bei Techcrunch nachlesen kann, hat Telepath ein „paar Millionen Dollar“ Investorengelder erhalten. Vor allem daran beteiligt ist Josh Kopelman, Gründer von First Round Capital. Er hat unter anderem die Seed-Runde von Warby Parker und Uber geleitet. Telepath hat aber noch weitere Investoren: Andy Johns, ein Partner von Unusual Ventures, der Quora, Twitter und Facebook in der Startphase weitergeholfen hat. Auch Sam Lessin, Partner von Slow Venture ist mit dabei, er hat im Bereich Produkt Management bei Facebook von 2010 bis 2014 gearbeitet.

Viele Nutzer hat Telepath im Beta-Test aktuell nicht. Grade mal 4000 User sind mit dabei. Allerdings sind die Telepath-Macher davon nicht unbedingt enttäuscht:

„Ich glaube in dieser Welt, in der wir jetzt leben, wird wohl nicht jeder, aber werden viele Menschen in der Geschäfts- und Finanz-Investment-Welt an Qualität und das Potenzial eines tollen ‚Social Produkts‘ glauben“, Marc Bodnick im Protocol Interview.

HAGS – eine App, die ohne Corona vermutlich gar nicht entstanden wäre

Im Gegensatz zu Telepath ist HAGS wieder etwas für die jüngere Generation. HAGS bedeutet eigentlich Have a great summer und ist eine Abkürzung, die in den USA vor den Sommerferien, also nach Beendigung des Schuljahres gerne ins Jahrbuch geschrieben wird. Corona und die damit verbundenen Schulausfälle, beziehungsweise Home Schooling haben dazu geführt, dass solche Eintragungen nicht möglich waren. Einige Schüler haben daher digitale Jahrbücher auf Instagram angelegt. Warum also nicht gleich eine eigene App daraus machen, das hat sich auch ein Schüler aus Los Angeles gedacht und kurzerhand die App HAGS entwickelt. Über Snapchat ist die App verfügbar. Die sogenannte Entwicklerplattform Snap Kit ermöglicht es, eigens entwickelte Apps auf Snapchat einzubinden. Ideal für Entwickler, die eine grosse Reichweite erzielen möchten. Andere Apps wie Hoop oder Yolo sind auch über die Entwicklerplattform von Snapchat berühmt geworden. Übrigens gilt Snapchat als die beliebteste App bei Teenagern, zumindest geht das aus einer Umfrage der US-Investment Bank Piper Sandler hervor. Nicht mal TikTok oder Instagram können Snapchat das Wasser reichen.

Hochrangige Unterstützung für die App – Google Ventures ist mit an Board

HAGS hat Schülern also die Möglichkeit geboten, ein digitales Jahrbuch zu erstellen, über Snapchat konnten Schulkollegen einfach eingeladen werden, dort eine Nachricht oder eine Signatur zu hinterlassen.

Über HAGS konnten die Schülerinnen und Schüler also ein digitales Yearbook einrichten und über Snapchat dann Klassenkameradinnen und -kameraden bitten, dieses zu signieren. Besonders bemerkenswert ist das junge HAGS-Team: Gründer Jameel Shivij ist grade mal 18 Jahre alt, HAGS-CEO ist seine ältere Schwester Suraya und Mitgründer James Dale (19 Jahre) ist ebenfalls mit dabei. Vor allem spannend: Google ist als Investor eingestiegen. Bei der Seed-Funding Runde sind bereits eine Million US-Dollar geflossen. Google Ventures schreibt: „Mit HAGS setzen wir frühzeitig auf ein Gründungsteam, das Teil einer Generation ist und diese tief versteht“.

screenshots aus der hags app

HAGS soll künftig noch mehr Funktionen haben

HAGS soll aber nicht nur die Möglichkeit bieten, ein virtuelles Jahrbuch zu erstellen. Nach und nach sollen mehr Services an den Start gehen. Auf der Webseite wird mitgeteilt, dass HAGS ein virtueller Raum für High-School-Schüler werden soll, in dem man sich trifft und austauscht.

Die Zukunft wird zeigen, ob sich die Apps bei den Nutzern durchsetzen können. Fakt ist jedoch, dass VC-Unternehmen davon überzeugt sind, würden sie sonst wohl nicht in noch mehr Social Apps investieren.

Redaktion
Die Redaktion von marketing.ch liefert seit 2012 regelmässig spannende Inhalte rund um das Thema Marketing. Wenn kein anderer Autor hinterlegt ist, hat das marketing.ch Team gemeinsam unter diesem Account an den Artikeln gearbeitet. 🙂