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Projektmanagement: Wasserfall-Methode vs. agile Methode

Die Wasserfall-Methode und die agile Methode stehen für zwei unterschiedliche Herangehensweisen im Projektmanagement. Erstere verfolgt einen linearen, eher klassischen Ansatz, während Letztere Flexibilität und schnelle Reaktions- und Umsetzungszeiten verspricht. Doch ist der agile Ansatz deshalb auch immer gleich der bessere? In diesem Beitrag erfährst Du alles Wichtige zu den beiden Methoden.

Die moderne Arbeitswelt ist digital. Sie ist bestimmt von Einflüssen, die ständigem Wandel unterliegen. „Agilität“ ist ein Stichwort, das in diesem Kontext immer häufiger fällt. Demnach könne nur ein agiles Unternehmen diesem Zustand gerecht werden, indem es schnell und flexibel auf Veränderungen und neue Anforderungen reagiert. Wir erklären Dir, was das mit dem Projektmanagement zu tun hat und welche Unterschiede sowie Vor- und Nachteile die Wasserfall-Methode und die agile Methode auszeichnen.

Warum ist die Wahl der Projektmethode so wichtig?

Egal, ob Marketing-Kampagne, IT- oder Change-Management-Projekt: Dem/der Projektmanager:in obliegt die Aufgabe, das Vorhaben so effizient wie möglich und im Sinne der Unternehmensziele zu planen und zu steuern, und dabei die Kontrolle über die Risiken zu behalten. Gar keine so leichte Aufgabe. Und ziemlich viel Verantwortung.

Die Wahl der richtigen Methode ist dabei erfolgsentscheidend, denn nicht jede Methode passt zu jedem Projekt, dem jeweiligen Unternehmen und dessen Zielen. Bist Du in Zukunft einmal selbst in die Organisation eines Projekts involviert, solltest Du daher die Unterschiede zweier wichtiger Modelle kennen: die der Wasserfall-Methode und des agilen Projektmanagements.

Die Wasserfall-Methode

Die Wasserfall-Methode gilt als klassisches Modell im Projektmanagement. Es handelt sich um eine lineare Methode, welche den Projektverlauf in klar getrennte, aufeinanderfolgende Phasen aufteilt. Hast Du eine abgeschlossen, geht es in die nächste über. Du beginnst also mit Phase 1 und arbeitest stoisch Deinen Weg weiter bis hin zur letzten Phase. Es existieren zwar unterschiedliche Varianten der Wasserfall-Methode, doch setzen die meisten Projektmanager:innen in der Regel 5 Phasen bei diesem Modell an.

Die Aufteilung der einzelnen Phasen ist dabei vom Unternehmen und den jeweiligen Rahmenbedingungen und Anforderungen des Projekts abhängig, auch wenn sie sich in ihren Grundzügen stets ähneln. Die Wasserfall-Methode ist besonders bei solchen Unternehmen gängige Praxis, die in ihren Strukturen und Abläufen eher traditionell organisiert sind.   

Die 5 Phasen der Wasserfall-Methode

Wie bereits erwähnt, ist die genaue Ausgestaltung der einzelnen Phasen von verschiedenen Faktoren abhängig. Trotzdem können wir Dir hier ein typisches Beispiel für die Phaseneinteilung in der Wasserfall-Methode skizzieren.

1. Phase: Analyse der Anforderungen
In der 1. Phase erstellst Du ein Soll-Konzept, welches alle Anforderungen an das Projekt zusammenfasst. Dazu gehören Faktoren wie Preise, Projektumfang, Realisierbarkeit und die Eigenschaften des gewünschten Endergebnisses, also z. B. des Produkts oder der Kampagne. Am Ende dieser Phase steht ein Projektplan, der alle Aufgaben, Ziele und Meilensteine des Projekts definiert.

2. Phase: Konkrete Planung
Auf Grundlage der festgelegten Anforderungen und Ziele in Phase 1 entwickelst Du nun ein Konzept, wie diese zu erfüllen sind. Du arbeitest hier konkret heraus, welche Informationen, Daten und/oder Materialien benötigt werden und welche Tools und Technologien für die Umsetzung nötig sind.

3. Phase: Umsetzung
In der 3. Phase steht die Realisierung des zuvor entwickelten Konzepts an. Dabei hältst Du Dich strikt an die Ergebnisse, die Du in den Phasen 1 und 2 erarbeitet hast.

4. Phase: Bewertung
Die 4. Phase kann auch als Testphase bezeichnet werden, weil Du hier das Ergebnis aus Phase 3 dahingehend überprüfst, ob alle zuvor bestimmten Anforderungen erfüllt wurden. Bei Abweichungen werden entsprechende Korrekturen vorgenommen.

5. Phase: Release
In der letzten Phase wird das Projektergebnis veröffentlicht. Handelt es sich um ein Produkt, wird es jetzt auf den Markt gelassen oder an den/die Kund:in ausgeliefert. Im Anschluss solltest Du die gesammelten Erfahrungen nutzen: Führe eine Evaluation mit Deinem Team durch, um die Erkenntnisse aus dem abgeschlossenen Projekt für das nächste Projekt nutzen zu können. 

Vorteile der Wasserfall-Methode

Ein klarer Vorteil der Wasserfall-Methode liegt in der Planungssicherheit. Projektmanager:innen planen die einzelnen Schritte des Projekts im Vorfeld präzise durch und lassen ihr Team dieses im Anschluss 1:1 ausführen. Dadurch ist die Methode besonders für Projekte geeignet, die konstante Anforderungen beinhalten und keine kurzfristigen Korrekturen durch sich verändernde Rahmenbedingungen erfordern. Hier die einzelnen Vorteile der Wasserfall-Methode im Überblick:

  • Hohe Planungssicherheit und Kontrolle
  • Ausführung/Umsetzung nach Plan (kein Herumprobieren, „effizientes“ Arbeiten)
  • Phasen sind klar voneinander abgegrenzt
  • Gemeinsames Verständnis über das Endresultat (durch Planungsphasen 1 + 2)

Nachteile der Wasserfall-Methode

Aus dem Ansatz heraus, alles im Vorfeld zu planen und genauso umzusetzen, entsteht natürlich auch der klare Nachteil dieser Methode: die fehlende Flexibilität, die ein hohes Risiko darstellt. Erfahrungen aus dem Projektmanagement zeigen, dass sich Fehler in der Umsetzung, die wiederum aus Planungsfehlern resultieren, meistens erst am Ende des Projekts zeigen. Zu diesem Zeitpunkt ist eine Korrektur aber nicht mehr möglich.

Obwohl der Planungsaufwand in der Wasserfall-Methode besonders hoch ist, sind kleine und auch grössere Fehler möglich und in der Regel leider irreversibel. Hier die Nachteile noch einmal im Überblick:

  • Keine Flexibilität gegenüber veränderten Anforderungen
  • Alles im Vorfeld geplant, obwohl Projekt am Anfang nicht komplett überschaubar ist
  • Resultat: Fehler fallen erst spät oder sogar erst am Projektende auf
  • Lange und intensive Konzeptionsphase (Phase 1 + 2)

Die agile Methode

Bei der agilen Methode verläuft der Arbeitsprozess hingegen fliessend und kontinuierlich. Es werden permanent Zwischenergebnisse erzeugt, welche die nächsten Arbeitsschritte vorgeben. Die Abfolge von Planung, Umsetzung, Erkennung von Fehlern und Korrektur erfolgt mehrmals hintereinander, teilweise gleichzeitig und ermöglicht eine Flexibilität, die im Kontrast zum linearen Aufbau der Wasserfall-Methode steht. Die Methode folgt dem Trial-and-Error-Prinzip und schliesst damit Fehler und deren Korrektur in den Workflow mit ein.

Die Umsetzung erfolgt in mehreren Sprints, die in der Regel jeweils wenige Wochen dauern und aus den sich immer wiederholenden Phasen bestehen:

1. Sprint: Planung, Umsetzung, Bewertung/Test, Evaluation

2. Sprint: Planung, Umsetzung, Bewertung/Test, Evaluation

3. Sprint: Planung, Umsetzung etc.

Nach jedem Sprint sammeln Du und Dein Team Erkenntnisse, die ihr für den nächsten Sprint heranzieht. Dieses Prinzip wird so lange fortgeführt, bis ein zufriedenstellendes Ergebnis vorliegt – oder die verfügbare Zeit oder das Budget verbraucht sind. Der Umgang mit veränderten Anforderungen und Kurswechseln erfolgt also flexibel und ist von Anfang an eingeplant.

Vorteile der agilen Methode

  • Änderungsanforderungen sind eingeplant und erzeugen keinen grösseren Aufwand
  • Fehler können frühzeitig erkannt und behoben werden
  • Agile Teams teilen sich in der Regel Kompetenzen (zusätzliche Flexibilität)
  • Erstes Ergebnis liegt schnell vor (bessere Übersicht, mehr Motivation für das Team)
  • Trial-and-Error: Endprodukt entspricht eher den Zielen, weil kontinuierlich getestet und korrigiert wurde

Nachteile der agilen Methode

Der grosse Vorteil der agilen Methode kann aber auch zum Problem werden. Das zuständige Projekt-Team hat eine sehr hohe Eigenverantwortung und verfolgt eine eigenständige Arbeitsweise, was in Planungsunsicherheiten für das Unternehmen oder den/die Auftraggeber:in resultieren kann.

Die Ergebnisse der einzelnen Sprints sind daher auch nur schwer im Vorfeld abzuschätzen – es wird quasi zu Beginn erst einmal herumprobiert und geschaut, was so geht. Die Erfolgsmessung ist daher problematisch, bevor das Endergebnis vorliegt.   

Welches Modell passt besser zu meinem Projekt?

Klare Antwort: Das kommt ganz auf Dein Projekt und die äusseren Umstände an. Eine passende Methode hilft Deinem Team dabei, die Aufgaben effizient zu erledigen und ein Endergebnis hervorzubringen, welches den Anforderungen des Unternehmens oder des Auftraggebers bzw. der Auftraggeberin entspricht und dazu das vorgegebene Budget einhält. Daher wäre z. B. die Behauptung falsch, dass die Wasserfall-Methode in der heutigen Zeit komplett überholt sei – für viele Unternehmen und Projekte ist sie nämlich immer noch goldrichtig.

Problematisch wird es nur, wenn Unternehmen mit traditionellen Strukturen bei einer alten Projektmethode verharren, obwohl sie von mehr Agilität profitieren könnten. Diese Skepsis vor Neuem ist genauso risikobehaftet wie der Ansatz, dass jedes Projekt mit der agilen Methode umgesetzt werden müsse.  

Hybrides Projektmanagement: Der optimale Kompromiss?

Viele Projektmanager:innen und Unternehmen schwören mittlerweile auf ein hybrides Modell aus Wasserfall-Methode und agiler Methode, da dieses am besten für sie funktioniert. Es ermöglicht ihnen eine starke Mischung aus Flexibilität und Planungssicherheit – „best of both worlds“ also.

Hierbei wird im Vorfeld ein langfristiger Plan aufgestellt, angelehnt an die Wasserfall-Methode. Allerdings erfolgt keine strikte Trennung der einzelnen Phasen – Überschneidungen und einzelne Sprints wie bei der agilen Methode sind ebenfalls eingebaut. Generell wird aus der agilen Methode vor allem die Mentalität mitgenommen, die dabei hilft, starre Strukturen aufzubrechen, wenn es nötig ist. Es liegt immer noch eine detaillierte Planung vor. Jedoch sind schnelle und unkomplizierte Feedback-Prozesse und Korrekturen kein Problem mehr, da Abweichungen einkalkuliert sind.

Wähle die Methode, die zu Dir passt

Sowohl die Wasserfall-Methode als auch die agile Methode bringen Vor- und Nachteile mit sich, die Du berücksichtigen solltest. Im Endeffekt entscheiden die Anforderungen des Projekts, welche Wahl die richtige ist.

Auch ein hybrides Projektmanagement stellt für viele Projektmanager:innen eine gute Lösung dar – vielleicht ja auch für Dich. Lohnenswert ist es allemal, verschiedene Ansätze zu kennen und dieses Wissen zu nutzen. In diesem Sinne wünschen wir Dir viel Erfolg und – auch sehr wichtig – Freude bei Deinem nächsten Projekt!

Robin Knappmann
Robin Knappmann
Robin hat vor kurzem sein WiWi-Studium abgeschlossen und schreibt seit 2018 Beiträge rund um das Thema Marketing. Seine Begeisterung fürs Schreiben führte ihn bereits zu einer journalistischen Tätigkeit bei einer deutschen Tageszeitung und durch ein erstes, textintensives Studium der Germanistik und Philosophie. Wenn er nicht gerade vor einem neuen Beitrag sitzt, spielt er vermutlich Gitarre oder monologisiert über seine Lieblingsmusik.

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