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Green Finance: eine politische Bilanz

Noch vor wenigen Jahren war Nachhaltigkeit die Arena der Umweltminister und NGO. Heute müssen sich auch Finanzminister und Zentralbankpräsidenten mit dem Thema Nachhaltigkeit insgesamt und Green Finance im Besonderen auseinandersetzen . Doch wie erfolgreich ist Green Finance auf der Bühne der grossen Politik?

Der Marsch durch die politischen Institutionen


Green Finance ist in den letzten Jahren – insbesondere seit der Verabschiedung des Übereinkommens von Paris im Dezember 2015 durch die UNO-Mitgliedsstaaten – zu einem fixen Bestandteil der politischen Agenda geworden. 2016 haben die G20-Staaten unter der Präsidentschaft von China die Green Finance Study Group ins Leben gerufen und auch beim Hamburger G20-Gipfel im letzten Juli waren die „grünen Finanzen“ ein zentrales Thema. Deutschland, das die G20-Präsidentschaft 2017 inne hat, hat die Arbeiten rund ums Thema Green Finance in den „Finance Track“ eingebunden und damit ins Zentrum der politischen Diskussion gerückt.

Über Green Finance wird jedoch nicht nur diskutiert. Der aktuelle Fortschrittsbericht der Green Finance Study Group zeigt, dass eine Vielzahl an neuen Richtlinien erlassen und Massnahmen zu „grünen und nachhaltigen Finanzen“ lanciert werden. Es wird immer mehr Kapital „grün“ investiert. Beispielsweise wurden 2016 Green Bonds in der Höhe von 34 Milliarden US-Dollar auf den Markt gebracht – ein neuer Rekord. Rund 21 Prozent aller Green Bonds stammen aus China. Das Reich der Mitte fördert dies einerseits, indem es den Fokus seines Fünfjahresplans klar auf erneuerbare Energien und darauf legt, die Wirtschaft nachhaltig auszurichten. Andererseits haben internationale Investoren heute besseren Zugang zum chinesischen Interbankenmarkt erhalten und die chinesische Regierung begünstigt die Ausgabe von Crossborder Bonds. Auch viele andere Länder haben Massnahmen ergriffen, um eine nachhaltige Entwicklung zu fördern. So hat Saudi Arabien im Februar 2017 angekündigt, bis zu 55 Milliarden US-Dollar in erneuerbare Energien zu investieren und damit die Nutzung fossiler Brennstoffe zu senken. Grüne Investments sind heute also durchaus verbreitet, und sie sind wachstumsstark und ein wichtiger wirtschaftlicher Impulsgeber geworden.

Green Finance: Grundlage für die nachhaltige Transformation


Die nachhaltige Ausrichtung der wirtschaftlichen Entwicklung verlangt mehr als einzelne Massnahmen. Sie bedingt eine strategische (Neu-)Ausrichtung. Aus dieser können sich auch Chancen ergeben, wie der Report „Investing in Climate, Investing in Growth“ des OECD Centre on Green Finance and Investments zeigt. Die Bewältigung des Klimawandels biete nämlich Chancen, neue Wachstumsquellen zu erschliessen, heisst es im Bericht. Die G20-Wachstumsziele sollten dahingehend ausgerichtet werden.

Die EU-Kommission geht diesbezüglich mit gutem Beispiel voran. Sie hat im Oktober 2016 eine High Level Expert Group on Green and Sustainable Finance ins Leben gerufen. Diese soll eine umfassende Strategie für ein nachhaltiges Finanzsystem entwickeln und so Nachhaltigkeit in die europäische Finanzpolitik integrieren sowie Kapital für nachhaltiges Wachstum mobilisieren. In ihrem Mitte Juli publizierten Zwischenbericht zeigt die High Level Group auf, wie ein nachhaltiges Finanzsystem aussehen könnte und welche regulatorischen Massnahmen erforderlich wären. Unternehmen tun deshalb gut daran, bereits heute entsprechende Prozesse zu implementieren und nicht erst, wenn der Regulator dies verlangt.

Aber nicht nur aus regulatorischer Sicht macht es für Unternehmen Sinn, nachhaltiges Wirtschaften voranzutreiben. Denn werden Klimaschutzmassnahmen weiterhin aufgeschoben, steigen die Übergangskosten hin zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft und machen zudem eine abrupte Anpassung notwendig. Besonders Unternehmen in den G20-Staaten haben die Möglichkeit, mit vorausschauendem Denken Grosses zu erreichen. Denn den G20-Staaten kommt bei den klima- und wachstumspolitischen Anstrengungen eine Führungsrolle zu. Einerseits sind sie für 80 Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Andererseits entfallen auf sie auch 98 Prozent der Windkraft und 97 Prozent der weltweit installierten Photovoltaikkapazitäten.

Wie das Ziel erreicht werden kann


Green Finance hat es auf die politische Agenda geschafft. Der Ausweg aus der Klimafalle ist aber weder durch starke Staaten allein, noch durch die Kräfte des freien Markts zu erreichen. Es braucht einen intelligenten Mix aus regulativen Elementen, freiwilligen Massnahmen und wachstumspolitischen Impulsen. Wachstumsfreundliche Politik und Klimaschutzmassnahmen müssen dabei den Wirtschafts- und Sozialstrukturen der jeweiligen Länder entsprechen.

Die Finanzminister müssen den regulativen Rahmen so gestalten, dass Marktteilnehmer mit innovativen Produkten und Dienstleistungen den zukünftigen Kundenwünschen entsprechen und zugleich klimapolitische Ziele verwirklichen können. Eine kosteneffiziente Dekarbonisierungspolitik beispielsweise beinhaltet unter anderem die Bepreisung von CO2 und den Abbau der Subventionen für fossile Energieträger. Werden die Steuern auf CO2-Ausgaben konstant erhöht, wird das Investieren in emissionsintensive Branchen unattraktiv und treibt die Transformation hin zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft voran.

Neben den Staaten, welche die Rahmenbedingungen schaffen, sind aber auch die Unternehmen gefordert, Massnahmen zu ergreifen. Die LGT hat bereits seit mehreren Jahren begonnen, ihr Geschäft nachhaltig auszurichten. Welche Massnahmen sie bereits umgesetzt oder geplant hat, erfahren Sie im aktuellen Nachhaltigkeitsbericht der LGT.

Redaktion
Die Redaktion von marketing.ch liefert seit 2012 regelmässig spannende Inhalte rund um das Thema Marketing. Wenn kein anderer Autor hinterlegt ist, hat das marketing.ch Team gemeinsam unter diesem Account an den Artikeln gearbeitet. 🙂

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