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Facebook: Gewinn steigt im ersten Quartal um 63 Prozent

Durch die neue EU-Datenschutzverordnung rechnet das Netzwerk mit einem Dämpfer für sein Geschäft in Europa.

Ungeachtet des Datenskandals trumpft Facebook dank steigender Werbeeinnahmen mit einem rasanten Gewinn- und Umsatzwachstum auf. Zum Jahresbeginn stieg der Gewinn auf fünf Milliarden Dollar und damit um 63 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wie das US-Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Der fast ausschliesslich mit Werbung erwirtschaftete Umsatz stieg im Jahresvergleich um 49 Prozent auf fast zwölf Milliarden Dollar. Mehr als 98 Prozent der Einnahmen kamen aus Werbung – vor allem auf mobilen Geräten und dort überwiegend über Videos.

Die Zahlen des 2004 gegründeten Unternehmens übertrafen die Erwartungen der Analysten – die Aktie legte nachbörslich um mehr als vier Prozent zu. Seit Bekanntwerden der Affäre Mitte März stand das Papier unter Druck.

Trotz der vielen Negativschlagzeilen im Zusammenhang mit dem mutmasslichen Datenmissbrauch bei bis zu 87 Millionen Facebook-Nutzern scheinen sich Werbekunden nicht von dem US-Konzern abgewendet zu haben. Genauso wenig nahmen die Mitglieder Reissaus.

Mehr aktive Nutzer

Die Zahl der aktiven Nutzer des Online-Netzwerks stieg der Mitteilung zufolge um 13 Prozent auf 2,2 Milliarden monatlich. In Europa stieg die Zahl täglich aktiver Nutzer von 277 auf 282 Millionen, im Heimatmarkt Nordamerika legte sie von 184 auf 185 Millionen zu. Facebook erlöste pro Nutzer in den USA und Kanada 23,14 Dollar und in Europa 8,01 Dollar.

Ein starker Effekt des Datenskandals war nicht zu erwarten – allein schon, weil die Kontroverse um die Weitergabe von Nutzerdaten an die Firma Cambridge Analytica erst wenige Tage vor dem Ende des Quartals im März entbrannt war. Wenn es Auswirkungen geben sollte, würden sie erst im laufenden Vierteljahr richtig zur Geltung kommen.

Zum anderen hatte Facebook auch wiederholt betont, man habe trotz der Aufrufe zum Verlassen der Plattform keinen bedeutenden Rückgang der Aktivität festgestellt.

«Jeder redet davon, wie schlecht es um Facebook steht, aber dieser Quartalsbericht ist sehr positiv und bekräftigt, dass es Facebook gutgeht und sie da durchkommen», sagte Portfoliomanager Daniel Morgan vom Synovus Trust, der selbst in Facebook investiert hat. Neben dem gleichnamigen sozialen Netzwerk gehören zu Facebook auch der Messaging-Dienst WhatsApp und die Foto-App Instagram.

Nutzerrückgang in Europa erwartet

Konzernchef Mark Zuckerberg zeigte sich erfreut: «Trotz der Herausforderungen … hat unser Geschäft 2018 einen starken Start gehabt.» Neben dem Datenskandal dürfte Zuckerberg mit den Herausforderungen auch die mutmassliche Einmischung Russlands in den US-Wahlkampf und Probleme mit Hassbeiträgen gemeint haben.

Im laufenden Quartal rechnet Facebook allerdings mit Bremsspuren. So werde die Zahl monatlich und täglich aktiver Nutzer in Europa voraussichtlich stagnieren oder leicht zurückgehen, erklärte das Online-Netzwerk. Der Grund sei die Einführung der neuen Regeln am 25. Mai. Wenn viele Mitglieder die striktesten Einstellungen für mehr Datenschutz wählen, könne das auch negative Auswirkungen auf Facebooks Werbegeschäft haben, erklärte Finanzchef David Wehner.

Bezahlversion ein Thema

Konkret könnten die neuen Datenschutz-Instrumente die personalisierte Anzeige von Werbung beeinträchtigen. Wenn die Investitionen von Facebooks Werbekunden dadurch weniger effizient würden, verhielten sie sich anders in den Auktionen um Anzeigenplätze, sagte Wehner. Die für das operative Geschäft zuständige Top-Managerin Sheryl Sandberg gab sich zugleich gelassen: Die Anzeigenkunden suchten nach der besten Rendite für ihre Werbeausgaben – und hier sei Facebook besser als andere aufgestellt.

Sandberg bestätigte zugleich erstmals, dass Facebook über eine Bezahlversion nachgedacht habe – «und wir werden nicht damit aufhören, alles in Erwägung zu ziehen». Zugleich betonte sie aber auch: «Anzeigen passen auf natürliche Weise zu unserem Geschäft» und Facebook sehe da noch grosses Potenzial.

Starker Mitarbeiterzuwachs

Um das Heft wieder in die Hand zu bekommen und einer schärferen Regulierung zu entkommen, geht das Unternehmen aus Menlo Park in die Offensive. Facebook verspricht seinen Mitgliedern weltweit mehr Transparenz und Kontrolle über ihre Daten.

Um den Anforderungen – rund um die neue EU-Datenschutzgrundverordnung und dem Kampf gegen Hassbeiträge – nachzukommen, benötigt Facebook mehr Mitarbeiter. Ende März beschäftigte der Konzern 27’742 Menschen und damit 48 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Redaktion
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